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Lektion 108 –
Kechari Mudra –Für die Menschheit ein riesiger Schritt
Autor: Yogani
5. Februar 2004
Für neue Mitglieder: Es wird empfohlen, am
Anfang des Archivs oder bei der Erklärung der Meditationstechnik zu
beginnen, da die Kenntnis vorheriger Lektionen Voraussetzung für das
Verständnis dieser Lektion ist. Die erste Lektion ist die
Lektion 10 „Warum diese Erörterung?". Die Meditationstechnik wird in
Lektion 13 "Meditation - Wecken der ruhenden Saat"
eingeführt.
Kechari Mudra wird heutzutage immer mehr zum Diskussions- und Streitthema.
Das ist ein gutes Zeichen. Es bedeutet dass diese Übung aus dem Schatten
des esoterischen Yoga in den frühmorgendlichen Sonnenschein des
aufkommenden Zeitalters der Erleuchtung heraustritt.
Was ist Kechari Mudra? Lass uns das, damit wir leicht etwas damit anfangen
können, mit einfachen Begriffen erklären. Einen Zentimeter oder zwei über
unserer Mundhöhlendecke befindet sich eines der ekstatisch sensitivsten
Organe unseres gesamten Körpers. Dies kann relativ einfach mit unserer
Zunge erreicht werden. Es befindet sich am hinteren Rand unserer
Nasenscheidewand und wenn das Nervensystem durch Fortgeschrittene Yoga
Übungen genügend gereinigt ist, wird unsere Zunge zurückrollen und hinauf
in den Hohlraum des Nasenrachenraums gehen, um dort auf den sensitiven
Rand unseres Septums (Nasenscheidewand) zu treffen. Geschieht dies, ist
das vergleichbar mit dem Schließen eines Hauptschalters unseres
Nervensystems und all unsere fortgeschrittenen Yoga Übungen und
Erfahrungen beginnen, sich auf einer viel höheren Ebene abzuspielen.
Sobald man auf natürliche Weise in Kechari eintritt, kommen wir auf die
Schnellspur des Yoga. Wenn Du so willst, ist das die erste Liga des Yoga.
Ramakrishna hat gesagt: „Sobald die himmlische Göttin erscheint, rollt
sich die Zunge zurück.“
Viele haben dieses natürliche Phänomen bereits von Zeit zu Zeit in ihrer
Yoga-Praxis erlebt. Ist das Nervensystem dazu bereit, geschieht dies ganz
einfach. Die Zunge will zurückgehen. Allerdings sind nur wenige in der
Lage zu folgen, obwohl das nur eine Frage der Erziehung ist. Ist starkes
Bhakti vorhanden und rollt sich die Zunge, ist es eine kurze Reise zur
Verbindung mit einer höheren Ebene spiritueller Erfahrung im
Nasenrachenraum.
Nicht viele Menschen auf der Erde haben diesen wichtigen Übergang bereits
hinter sich. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die Anzahl der Menschen,
die in Kechari eintritt, in den kommenden Jahren drastisch ansteigt.
Geschieht dies, wird das für die Menschheit ein riesiger Schritt nach vorn
sein, denn es wir ein Zeichen für den Wechsel zu einer vornehmlich
spirituellen Funktionsweise im Nervensystem sein. Dies wird die vielen
Vorteile der sich durch unsere moderne Gesellschaft ausbreitenden und
aufsteigenden Erleuchtung einschließen. Kechari ist so bedeutend, so
kraftvoll und solch ein Indikator für die Richtung, welche die menschliche
Rasse einschlägt, dass selbst einige wenige Yogis und Yoginis in Kechari
eine gewaltige Auswirkung auf die spirituellen Energien in allen haben
können. Sie strahlen Energie aus, die das Ansteigen des
Erleuchtungsprozesses in allen beschleunigt. Obwohl Kechari also ein
individuelles Phänomen auf der Straße menschlicher spiritueller
Transformation ist, hat es wie alle fortgeschrittenen Yoga Techniken
globale Folgen. Wie Jesus sagte: „Ihr seid das Licht der Welt.“
Doch genug zur spirituellen Bestimmung der Menschheit. Wie steht es mit
jedem von uns und unserer Beziehung zu Kechari?
Seitdem Kechari vor einiger Zeit zum ersten Mal in den Lektionen erwähnt
wurde, haben mir mehrere mitgeteilt, sie hätten die ersten Symptome davon
und sie fragten sich, was sie tun sollten. „Sollte ich die Zunge daran
hindern, sich zurückzurollen?“ „Sollte ich weitermachen? Und falls ja,
wie?“ Dies sind die Fragen, die gestellt wurden.
Rollt sich die Zunge zurück und fühlen wir, dass wir uns selbst
überflügeln, dann ist nichts zu überstürzen. Falls wir Zweifel oder
übermäßige Kundalini-Erfahrungen haben, kann es das Beste sein, zu warten.
Dies gehört zur Anwendung von Selbstabstimmung – Du verstehst schon. Nur
Du kannst wissen, wann die Zeit reif ist. Niemand kann Dir sagen, wann die
Zeit für Kechari oder für irgendeine andere fortgeschrittene Yoga Übung
gekommen ist. Deine Erfahrungen und dein Bhakti wird Dein Führer sein.
Auch wenn wir nur von einer Reise von einigen Zentimetern sprechen, gehört
zu Kechari ziemlich viel – nicht so sehr physisch, obwohl auch ein wenig
physische Herausforderung dabei ist, doch mehr auf der Ebene der Psyche
und der Emotionen. Kechari ist eine große Sache. Es reicht an den Kern
unserer spirituellen Identität heran. Sind wir bereit, einen
neurologischen Schalter umzulegen, der uns auf eine höhere Ebene der
Existenz befördern wird? Dies heißt nicht, dass wir auf der Stelle und für
immer verwandelt werden. So ist es nicht. Am Tag nachdem wir zum ersten
Mal in Kechari eintreten, sind wir immer noch dieselbe Person. Wir können
sogar, wenn wir einmal ständig in Kechari eingetreten sind, wieder damit
aufhören. Es entsteht kein Schaden. Kechari hat seine „klobige“ Phase –
genauso wie alle fortgeschrittenen Yoga Übungen. Es ist etwas
Entschlossenheit nötig, damit man durch die eckigen Anfänge von Kechari
hindurch kommt.
Wir sind nicht augenblicklich in der Minute, in der wir mit Kechari
anfangen, eine andere Person. Nur im Laufe der Zeit und bei täglicher
Übung ändern wir uns. Dies ist dann aber eine wesentliche Veränderung. Auf
eine reale Weise, sind wir bereits zu einer anderen Person geworden, bevor
wir mit Kechari beginnen. Schon die Entscheidung dafür ist genau so eine
Überschreitung einer Grenze, wie das tun selbst. In diesem Sinne ist
Kechari mehr als eine physische Handlung. Die Entscheidung für Kechari ist
eine Bestätigung des Nervensystems, dass es für die nächste Ebene bereit
ist. Das Nervensystem sagt uns selbst, wann es bereit ist. Wir sind schon
zu Kechari geworden, bevor wir in es eintreten. Ist das nicht für alle
fortgeschrittenen Yoga Übungen wahr, die wir in Angriff nehmen? Wir
fühlen, dass wir bereit sind. Wir beginnen mit der Übung. Sind wir gut auf
unser Nervensystem abgestimmt, wird die Übung an uns haften bleiben. Sind
wir zu früh, kommt es zu Rauhigkeit und wir werden sie wieder (etwas)
zurücknehmen müssen. Das ist in Ordnung. Es ist der Weg des Testens und
des Findens von Öffnungen, durch die wir uns im Yoga vorwärts bewegen. Bei
Kechari ist es ebenso. Nur müssen wir bei Kechari ein bisschen mehr tun,
um in diese Übung hineinzukommen und die Erfahrung ist ziemlich drastisch.
Deshalb ist für die Durchführung eine hohe Motivation – ein starkes Bhakti
– notwendig.
Kechari bedeutet: „Fliegen durch den inneren Raum.“
Das hört sich poetisch und dramatisch an. Doch ist Kechari noch viel mehr
als das. Es ist viel persönlicher. Regelmäßig ausgeführtes Kecharis
versetzt uns in einen permanenten Zustand eines Liebesaktes
unterschiedlicher Pole in uns. Die Auswirkungen von Kechari übertreffen
die von tantrisch sexuellen Beziehungen, wie sie in den Tantra-Lektionen
diskutiert werden. Das ist erstaunlich, da Kechari überhaupt keine äußere
sexuelle Aktivität einschließt. Kechari ist eine der großen Geheimnisse
erleuchteter Zölibatäre. Nicht dass Kechari nur mit Zölibat möglich ist.
Jeder kann Kechari ausüben und mit den normalen sexuellen Beziehungen
fortfahren. Wenn jemand jedoch einen Weg des Zölibats wählt, dann wird
Kechari zusammen mit anderen fortgeschrittenen Yoga Übungen mehr als die
nötige Kultivierung sexueller Energie nach oben im Nervensystem
hervorbringen. Es ist ein natürlicher innerer Prozess, der in uns zum
Laufen gebracht wird.
„Fliegen“ wir mit Kechari wirklich „durch inneren Raum?“ Der größte Teil
der Kechari Erfahrung ist das Aufsteigen ekstatischer Glückseligkeit. Die
Sinne werden auf ganz natürliche Weise nach Innen gezogen und das ist
vergleichbar mit einem Fliegen im Inneren. Unsere inneren Räume sind
riesig und wir schweben in einer anhaltenden Träumerei durch sie hindurch.
Die Verbindung, die wir bei Kechari in der Nähe des oberen Endes von
Sushumna, Ida und Pingala herstellen, ist eine ekstatische, die mehr als
jede andere Übung ekstatische Leitfähigkeit im Nervensystem nach oben
bringt. Jede andere fortgeschrittene Yoga Übung wird dann bezüglich einer
Sache in ihrer Effektivität gesteigert – dem Anstieg der ekstatischen
Leitfähigkeit. Deshalb ist Kechari eine ekstatische Verbindung, die unser
gesamtes Nervensystem erleuchtet. Der sensitive Rand der Nasenscheidenwand
ist ein Altar der Glückseligkeit. Je mehr Zeit wir dort verbringen, desto
mehr Glückseligkeit erfahren wir. Kechari ist der vollkommene Begleiter
Sambhavis. Die zwei Übungen ergänzen einander. Zusammen ziehen Sambhavi
und Kechari göttliche Ekstase nach oben und erfüllen uns mit göttlichem
Licht.
Fortgeschrittene Yogis und Yoginis nutzen Kechari ihre ganze sitzende
Übungspraxis hindurch und oft während des Tages, wenn sie nicht gerade
sprechen. Mit anderen Worten: Kechari ist die Heimat für fortgeschrittene
Yogis und Yoginis. Wir wissen nicht einmal, dass sie sich in Kechari
befinden. Nur das feine Glühen göttlichen Lichts gibt einen Hinweis
darauf. Im Innern sind sie mit dem ununterbrochenen Spiel göttlicher
Liebeswerbung beschäftigt.
Wir behandeln hier vier Stufen von Kechari (vergleiche
die Darstellung auf der Grafik), alle beziehen sich auf eine andere
Stellung der Zungenspitze.
Stufe 1 – Am Punkt der Mundhöhlendecke, wo der harte und der weiche
Gaumen aneinander stoßen. Dies ist die Grenzlinie, die überschritten
werden muss, bevor die Stufe 2 erreicht werden kann.
Stufe 2 – Hinter den weichen Gaumen und nach oben zur
Nasenscheidewand. Dies ist eine kurze Reise, aber eine folgenschwere.
Anfangs wird das mit Zuhilfenahme eines Fingers erreicht. Dieser drückt
die Zunge von unten nach hinten und an der linken oder rechten Seite des
weichen Gaumens vorbei, wo das Durchkommen am einfachsten ist. Dazu ist
möglicherweise ein „Zerreisen des Jungfernhäutchens“, der Membran unter
der Zunge, nötig – hierzu unten mehr.
Stufe 3 – Langsames vorarbeiten zum oberen Ende des
Nasenrachenraums und der Nasenscheidewand. Das führt uns zur knöchrigen
Struktur, in der die Hirnanhangdrüse enthalten ist.
Stufe 4 – Eintreten in die nasalen Gänge von Innen und Bewegung
nach oben über das obere Ende des Nasenrachenraumes hinaus zum Punkt
zwischen den Augenbrauen. Dies ist für die Zunge nicht so weit, wie es
scheint. Lege Deinen Daumen auf Dein Kiefergelenk und Deinen Zeigefinger
auf Deine gerade nach vorne ausgestreckte Zungenspitze. Dann drehe diese
feste Länge Deines Zeigefingers auf Deinem Daumen nach oben zum Punkt
zwischen den Augenbrauen. Siehst Du? Es ist für die Zunge nicht so weit
von der Wurzel geradewegs bis dort nach oben zu gehen.
Zwischen Stufe 1 und Stufe 4 können viele Jahre vergehen. Kechari ist eine
sich lang hinziehende Entwicklung, kein Ereignis, das sich über Nacht
einstellt. Trotzdem hat es seine aufregenden Momente des Übergangs,
besonders zwischen Stufe 1&2 und 3&4. Betrachten wir die vier Stufen jetzt
einmal genauer.
Stufe 1 setzt uns mittels der Mundhöhlendecke mit dem Boden des
Nasenrachenraums in Verbindung. Dies wurde bereits als ein zu
erarbeitendes Ziel in den Lektionen zu Yoni Mudra Kumbhaka vorgeschlagen.
Am Punkt, wo der harte auf den weichen Gaumen trifft, kann in gewissem Maß
– wenn das Nervensystem an Reinheit zunimmt – eine ekstatische Reaktion
wahrgenommen werden. Stufe 1 ist nicht einfach, weil es für die meisten
Menschen ein wenig anstrengend ist, die Zunge an der Mundhöhlendecke zu
halten und sich mit ihr allmählich schrittweise weiter nach hinten zu
arbeiten. Mit der Zeit entwickelt sich eine Gewohnheit. Reicht die
Zungespitze einmal über den Punkt, an dem sich der harte und weiche Gaumen
treffen und der weiche Gaumen mit der Zunge nach oben gedrückt werden
kann, ist die Stufe 2 sehr nahe.
Stufe 2 ist einschneidend. Die Zunge wird mit dem Finger auf der linken
oder rechten Seite des weichen Gaumens zurückgedrückt. Dies sind die
kürzesten Durchgänge, die hinter den weichen Gaumen führen. Der eine von
beiden wird kürzer als der andere sein. An einem bestimmten Punkt wirst Du
damit experimentieren und selbst sehen. Der lange Weg nach Innen führt
durch die Mitte nach oben. Der weiche Gaumen besitzt eine elastische
Sehne, die über den hinteren Rand verläuft. Sobald die Zungenspitze zum
ersten Mal hinter sie gelangt, kann die elastische Sehne schnell um den
Zungenboden herumschlüpfen, als ob sie sie fassen wollte. Dann ist die
Zunge plötzlich im Nasenrachenraum und berührt zum ersten Mal den Rand der
Nasenscheidewand.
Die erste Reaktion ist Überraschung und die Zunge wird wahrscheinlich
schnell wieder herauskommen. Man kann sie leicht wieder herausziehen, ohne
dass man dazu mit einem Finger nachhelfen müsste. Es ist auch einfach
durch die Nase zu atmen, wenn sich die Zunge im Nasenrachenraum befindet.
Beim ersten Eintreten können die Augen tränen und die Nase etwas nass
werden, man kann einen Niesreiz, eine sexuelle Erregung und starke Gefühle
verspüren. All dies sind vorübergehende Reaktionen auf das erste Eintreten
in Stufe 2 von Kechari. Dringt man dann öfter dort ein, beruhigen sich die
Dinge wieder. Im Laufe der Zeit werden die Finger nicht mehr benötigt, um
hinter den weichen Gaumen zu kommen. Die elastische Sehne entlang des
Rands des weichen Gaumens dehnt sich aus und Stufe 2 von Kechari wird
ziemlich angenehm. In Wirklichkeit ist es sogar einfacher in Stufe 2 zu
bleiben, als in Stufe 1 von Kechari. Die Zunge ruht sehr locker, ohne
irgendeine Anstrengung im Nasenrachenraum und es wird sehr einfach diese
Zungenstellung während Pranayama und Meditation zu nutzen. Offensichtlich
ist die Zunge dazu geschaffen, sich glückselig im nasalen Rachenraum
aufzuhalten.
Es gibt zwei praktische Dinge, die man berücksichtigen sollte, sobald man
sich die Stufe zwei zu Eigen gemacht hat. Das erste ist die Gleitfähigkeit
im Nasenrachenraum, das zweite die Anhäufung von Speichel im Mund.
Der Pharynx (Nasenrachenraum) kann ein bisschen launenhaft sein.
Gewöhnlicherweise ist er von Natur aus feucht und für die Zunge gut
gleitfähig. Manchmal ist er indes trocken und nicht so gut geschmiert. Im
ersteren Fall kann Kechari praktisch unbegrenzt ausgeführt werden, unter
der anderen Bedingung nur sparsam. Ist der Nasenrachenraum trocken, kann
es zu einem beißenden Gefühl kommen, wenn die Zunge sich darin befindet.
Dies ist dann nicht die Zeit, die sich für die Ausführung von Kechari
eignet. Tritt das ein, gehen wir einfach zu Stufe 1. Interessanterweise
wird der Pharynx während unserer Übungen fast immer feucht sein. Jedoch
kann man dies nicht mit Sicherheit erwarten. Wir gehen einfach hinein,
wenn wir willkommen sind, was meistens der Fall ist. Sind wir nicht
willkommen, zeigen wir vor der Situation Ehrfurcht und halten uns zurück.
Es verursacht also kein Problem.
Befinden wir uns in Kechari Stufe 2, wird sich im Mund unten Speichel
ansammeln. Da wir nicht hinunterschlucken können, was sich in unserem Mund
ansammelt, wenn unsere Zunge nach oben in den Nasenrachenraum gegangen ist
und wir nicht geifern wollen, kommen wir also, wenn nötig, aus Kechari
heraus und Schlucken den Speichel in unserem Mund hinunter. In der ersten
Gewöhnungsphase an Kechari Stufe 2, kann sich sehr viel Speichel
ansammeln, so dass wir öfter schlucken müssen. Mit der Zeit geht die
Speichelproduktion zu einem Normalmaß zurück und das Herauskommen aus
Kechari zum Zweck des Hinunterschluckens wird nur noch selten nötig sein.
In Stufe 2 von Kechari lassen wir unsere Zunge also einfach locker auf dem
Rand des Nasenrachenraums ruhen und das setzt spirituelle Prozesse überall
in unserem Körper in Gang.
Zu Beginn der Stufe 2 von Kechari werden wir neugierig sein. Wir befinden
uns an einem neuen Ort und wollen herausfinden, was es im Nasenrachenraum
alles zu entdecken gibt. Da ist die empfindliche Nasenscheidewand, der
„Altar der Glückseligkeit“. Es bereitet uns keine Schwierigkeit, das
herauszufinden und zu erkennen, dass es am Besten ist, beim Pranayama und
der Meditation mit unserer Zunge auf der Nasenscheidewand zu ruhen. Es
fühlt sich an, als sei auch noch am anderen Ende des Wirbelsäulennervs ein
kraftvolles Siddhasana am Werk, um unser gesamtes Nervensystem vom
Kopfende aus zu erwecken. Erfreuen wir uns an der Nasenscheidwand keiner
Glückseligkeit, werden wir ohne Zweifel erkunden und die hervorstehenden
Schalltrichter der eustachischen Röhre auf beiden Seiten des
Nasenrachenraums finden. Auch können wir die Eingänge zu den Nasengängen
auf beiden Seiten der Nasenscheidewand nicht übersehen und wir werden
schnell die extrem empfindlichen erigierbaren Gewebe darin entdecken. Das
ist indes zu viel. Halte Dich lieber einige Zeit davon fern. Wir gehen
also auf unserer Reise der Nasenscheidewand entlang zur Spitze des
Nasenrachenraums nach oben zu Stufe 3. Für einige ist das eine kurze
Reise. Für andere, kann es lange Zeit in Anspruch nehmen. Gehen wir dahin,
setzen wir die ganze Länge des Nasenscheidewandrands unserer Zunge aus und
bereiten uns darauf vor, schließlich in die Nasengänge einzudringen und
noch höher zu gehen.
Eine Übung die dabei helfen kann, über Kechari Stufe 2 hinauszukommen ist
das so genannte „Melken der Zunge“. Es besteht aus dem sanften Ziehen an
der Zunge mit den Fingern beider Hände, wobei man mit den Händen
abwechselt, als ob man eine Kuh melken würde. Eine gute Gelegenheit dies
ein paar Minuten zu praktizieren bietet sich, wenn man jeden Tag in der
Dusche steht. Dadurch erhältst Du die Vorteile daraus, ohne über Deine
ganzen Kleider geifern zu müssen. Im Laufe der Zeit kann die Zunge mit
dieser Methode verlängert werden. Dies ist jedoch keine nützliche Übung,
um in Stufe 2 zu gelangen. Dazu ist es vor allem wichtig, sich mit dem
Frenum zu befassen, wie das unten erörtert wird. Das Melken der Zunge
hilft, wenn man über Kechari Stufe 2 hinausgehen will, besonders zu Stufe
4.
Stufe 4 ist ein weiterer einschneidender Schritt. Es können Jahre von den
Stufen 2&3 bis dahin sein. Jeder wird sich dem auf verschiedene Art
nähern. Aber es gibt auch einen Trick, den man anwenden kann. Die
Nasengänge sind hoch und eng während die Zunge dünn und breit ist. Die
Zunge kann also nur in die Nasengänge gelangen, wenn sie sich auf die
Seite dreht. Doch auf welche Seite? Eine Seite ist dazu besser geeignet
als die andere. Die Zunge kann auf natürliche Weise mit der Spitze im
Zentrum gedreht werden, indem man dem Kanal am oberen Ende des
Schallrohres jedes der eustachischen Röhren in die anliegenden Nasengänge
folgt. Das dreht die Zungenspitze ganz natürlich um das Zentrum und
erlaubt es ihr an der Seite der Nasenscheidewand nach oben in den
Nasengang zu gleiten. Das Drehen der Zunge nach Innen zum Zentrum ist der
Weg nach oben in die Gänge. Der Eintritt in Stufe 4 ist genauso drastisch
wie das Eintreten in Stufe 2, weil die Gewebe in den Nasengängen extrem
empfindlich sind. Setzt man sich in der beschriebenen Weise mit ihnen in
Verbindung, hebt es das Nervensystem auf ein noch höheres Niveau. Stufe 4
führt zu einer ausgedehnten Stimulation des oberen Endes der Sushumna und
von Ida und Pingala und dies hat enorme Auswirkungen auf das gesamte
Nervensystem, besonders wenn es zusammen mit unserem Pranayama und den
dazugehörigen Bandhas und Mudras ausgeführt wird.
Ist das Gehen in die Stufen 2&3 zur zweiten Natur geworden, kommt man auch
auf natürliche Weise in Stufe 4. Bevor das erreicht ist, werden wir
aufgrund der Empfindlichkeit in den Nasengängen nicht besonders davon
angezogen. Unser sich öffnendes Nervensystem und das ansteigende Bhakti
bringen uns – sobald wir dazu bereit sind – zur Stufe 4.
Ist man einmal in die Nasengänge eingedrungen, kann die Zunge während
Pranayama und Yoni Mudra Kumbhaka dazu genutzt werden, die „Wechselatmung
durch verschiedene Nasengänge“ zu üben. Dies beschert eine abwechselnde
Stimulierung in den Nasengängen und erzeugt zusätzliche Reinigungseffekte
in der Sushumna, sowie in Ida und Pingala. Unser Pranayama und Kumbhaka
werden in Kechari Stufe 4 in höchstem Maße aufgeladen.
Die vier Stufen von Kechari fördern die wichtigsten neurologischen
Vorgänge der Öffnung im Kopf und im gesamten Nervensystem. Kechari ist
eine der angenehmsten und weit reichendsten aller fortgeschrittenen Yoga
Übungen. Kechari bildet in unseren fortgeschrittenen Yoga Übungen einen
Hauptübergang auf ein viel höheres Niveau.
Sprechen wir nun etwas über die Membran oder Sehne unter der Zunge, die
man „Frenum“ nennt.
Für die meisten von uns wird das Frenum den Engpass darstellen, der uns
daran hindert, durch die Stufen von Kechari zu wandern. Zur Frage, ob das
Frenum durchtrennt werden sollte oder nicht, gibt es keine Einigkeit.
Einige behaupten, dass man sich Kechari verdient hat oder nicht, je nach
dem, welche Art von Frenum wir unter der Zunge besitzen und dass der
einzige Weg zu Kechari im Dehnen des Frenums besteht. Sind wir nicht in
der Lage das Frenum weit genug zu dehnen, um in Kechari hineinzukommen, so
sei das „Gottes Wille“.
In diesen Lektionen unterstützen wir diese limitierende Ansicht nicht.
Unser Standpunkt hier lautet: „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.“
In diesen Lektionen sehen wir das Frenum als einen Haltegurt an, der etwas
zurück geschnippelt werden kann, wenn die Zeit dazu reif ist. Das hält uns
von Kechari entfernt, bis wir dazu bereit sind. Sind wir bereit und jeder
von uns weiß, wann das so weit ist, kann das Frenum beschnitten werden.
Das Frenum mit einem „Jungfernhäutchen“ vergleichbar. Ist eine Frau für
den Geschlechtsverkehr bereit, verschwindet ihr Jungfernhäutchen. Bis
dahin dient es dem Schutz. Dieses Durchbrechen des Jungfernhäutchens kann
ein anstrengendes und schmerzhaftes Ereignis sein, wenn es erzwungen wird.
Früher oder später wird es auch zum erzwungenen Öffnen des Frenums kommen,
weil das gehen in Kechari genau so natürlich ist, wie der
Geschlechtsverkehr. Es ist eine biologische Bestimmung für uns. Dazu kommt
es, sobald das Nervensystem reif dafür ist. Die fortgeschrittenen Yoga
Übungen bringen uns mit jedem Tag der täglichen Übung näher an diesen
Übergang heran.
Kechari ist das Ergebnis einer zweiten Pubertät in uns – unserer
spirituellen Pubertät. Sobald unser Nervensystem rein wird, wird unser
Bhakti stärker. Mehr als alles andere ist es Bhakti, das uns in Kechari
befördert. Sobald jede Faser unseres Körpers Gott will, werden wir dahin
gehen. Die Zunge wird sich zurückrollen und dorthin gehen – einfach so.
Wirft einmal unser Bhakti unsere Zunge zurück in Kechari, muss das Brechen
des Frenum-Jungfernhäutchens keine Schmerzen verursachen oder anstrengend
sein. Es kann alles sehr leicht und sanft abgehen .Vor allen Dingen kann
und sollte es schrittweise von statten gehen. Es wird mit sehr winzigen
Schnitten vollzogen – winzige Schnitte, ein jeder so dünn wie ein Haar
oder ein sehr feiner Faden. Ein sterilisierter scharfer Nagelhautschneider
(ähnlich einem kleinen Drahtschneider) kann zu diesem Zweck benutzt werden –
Stücken für Stücken. Heben wir unsere Zunge, können wir genau sehen, wo
der Punkt der größten Spannung am Frenum liegt. Bringen wir dort einen
winzigen Schnitt an, nicht breiter als ein Haar, wird es wahrscheinlich
nicht einmal bluten – möglicherweise ein Tropfen. Falls es mehr als ein
Tropfen ist, haben wir zu tief geschnitten. Der winzige Schnitt wird in
einem oder zwei Tagen heilen. Die Gewebe im Mund heilen sehr schnell.
Dann, möglicherweise in einer Woche oder einem Monat, wann immer wir ein
gutes Gefühl dabei haben, sind wir bereit, es erneut zu tun – und dann
nach einer weiteren Woche oder mehr, mach es wieder. Sind wir empfindlich,
können wir ein bisschen Eis zur Betäubung des Frenumrands benutzen und wir
werden nicht einmal einen kleinen Kniff spüren, wenn wir schneiden.
Verwende das Eis jedoch nicht, um einen großen Schnitt anzubringen. Das
ist zu viel und birgt ein gewisses Infektionsrisiko. Wir sollten nicht
schneiden, wenn wir irgendeine Art von Infektion im Körper haben. Mit
feinen Schnitten wird es das Frenum der Zunge im Nu erlauben, weiter
zurückzugehen und bevor wir es wissen, werden wir unsere Zunge mit den
Fingern hinter den weichen Gaumen drücken.
Sobald wir uns einmal in Kechari Stufe 2 befinden, können wir mit den
feinen Schnitten fortfahren und das wird uns helfen, weiter zur Stufe 3 zu
gelangen. Dann können wir mit den winzigen Schnitten immer noch weiter
machen, wenn wir auch schon an der Spitze des Nasenrachenraums angekommen
sind. Dies hilft uns, noch über die Stufe 4 hinauszukommen. Das wird Jahre
in Anspruch nehmen. Es besteht jedoch keine Eile. Wir können viele Monate
oder auch Jahre überhaupt ohne Schneiden weitermachen und uns zufrieden
der Stufe von Kechari, die wir bis dahin erreicht haben und des stetigen
spirituellen Wachstums, das damit einhergeht, erfreuen. Dann werden wir
vielleicht wieder inspiriert mit der Zunge weiter nach oben zu gehen und
nehmen wieder einige Schnitte vor.
Schreitet das Schneiden über die Stufe 2 von Kechari hinaus voran, wird es
sehr leicht, es auszuführen. Gibt das Frenum langsam nach, wird der Rand,
den es bildet, sobald es gestreckt wird, wie eine Hornhaut. Man verspürt
dann keinen Schmerz mehr, wenn man es durchschneidet und es fließt kein
Blut. Es ist nicht schwierig, es so zurück zu stutzen, dass die Zunge
weiter nach oben gehen kann, zu fortgeschritteneren Stufen von Kechari.
Dies ist zeitlich eine lange Reise, doch sie ist erfüllend. Es kann
Jahrzehnte dauern die Stufen 1 bis 4 zu durchlaufen. Aber es besteht keine
Eile. Das Nervensystem weiß, was zu geschehen hat. Weiß es das, wissen wir
es durch unser Bhakti.
Jedes Menschen Frenum ist anders. Einige weinige werden in Kechari
eintreten, ohne dass ein Schnippeln notwendig ist. Bei anderen ist sehr
viel Schnippeln notwendig. Beim Rest von uns liegt es irgendwo dazwischen.
Was immer der Fall sein mag, wir werden wissen, was zu tun ist, sobald
unser Bhakti aufsteigt. Niemand anders kann uns sagen, was wir wann tun
sollen. Alles in diesen Lektionen wird als Information angeboten, damit Du
eine bessere Vorstellung davon hast, was Deine Optionen sind, wenn Dein
Bhakti sich bemerkbar macht.
Einige werden medizinische Einwände bezüglich der Beschneidung des Frenums
einbringen. Die meisten Ärzte werden dagegen sein. Besteht eine Gefahr? Es
besteht immer eine gewisse Gefahr, wenn wir etwas Neues unternehmen. So
ist das Leben. Die Praxis des Frenumzurechtschnippelns für Kechari gibt es
seit Tausenden von Jahren – mindestens so lange wie die Beschneidung,
Piercing oder Tattoos. Das soll nicht heißen, dass diese anderen Typen von
Körperveränderungen sich in derselben Klasse wie Kechari befinden. Das
sind sie keineswegs. Kechari ist eine der fortgeschrittensten Yoga Übungen
auf dem Planeten. Wissen wir einmal, dass wir dazu bereit sind, werden wir
gewillt sein, jedes Risiko auf uns zu nehmen, das mit dem Eintreten
verbunden sein mag. Jeder wählt seinen eigenen Weg entsprechend der
Gefühle, die in unserem Herzen aufsteigen.
Diese Lektion ist nicht dazu da, Kechari Stufe 2 und höher für jedermann
anzupreisen. Sie ist dazu da, eine nützliche Information für all jene zu
liefern, die Kechari-Symptome erfahren und merken, dass sie sich auf
natürliche Weise danach strecken, über die Stufe 1 hinauszugelangen. Was
Du mit der Information hier anstellst, ist Deine eigene Sache. Erinnere
Dich daran, Dich stets mit Dir selbst entsprechend Deinem Vermögen und
Deinen Erfahrungen abzustimmen.
Der Guru ist mit Dir.
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