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Lektion 11 - Was ist Yoga? Was ist Religion?
Autor: Yogani
Sonntag, 16. November 2003
Yoga – Religion – diese beiden Worte rufen derart viele Vorstellungen
hervor, nicht wahr? Nicht alle davon haben einen klaren Umriss. Nicht
alle davon rufen gute Gefühle hervor. Aber wir wollen uns jetzt nicht
mit den schwachen Seiten der Menschheit befassen. Halten wir uns an das
Wesentliche. Denn spirituelle Praxis beleuchtet man am besten, wenn man
vom Wesentlichen ausgeht. Doch dieses Wesentliche wird oft von den
kulturellen Färbungen dieser beiden einfachen Worte verdeckt.
Yoga bedeutet „vereinigen". Religion bedeutet „sich zurück- und
zusammenbinden". Hmmm…
eine ähnliche Bedeutung. Jedoch, was bindet man zurück? Ah… das ist der
Kern des Ganzen. Wir sind, oder scheinen zwei Dinge zu sein, die wieder
zusammengefügt werden müssen. Einerseits befinden wir uns in der Welt
von Zeit und Raum, einer Welt, die wir über unsere Sinne wahrnehmen.
Andererseits sind wir Beobachter dieser Welt. Wir sind etwas hinter all
dem, aber auch innerhalb all dessen. Wir haben Bewusstsein, nehmen wahr. Wir sind
beides, Subjekt (Beobachter) und Objekt (Beobachtete). Und diese beiden
Dinge sind voneinander getrennt. Aber müssen sie das sein? Sind sie es
tatsächlich? Yoga und Religion sagen „Nein". Somit beginnt hier der
Prozess der Zusammenführung. Und was auch immer Du bisher gehört haben
magst, das ist es, worum es in Yoga und Religion wirklich geht.
Doch warum gibt es diese Trennung überhaupt? Wenn diese beiden
eigentlich Eins sind, warum erscheinen sie dann als Zwei? Denk einmal eine Minute über
Dich selbst
nach. Wer bist Du? Die meisten von uns deuten auf ihren Körper und
sagen: „Das bin ich.“ Wir fühlen zwar alle, dass da noch etwas mehr sein
muss. Aber das Beste, was wir meist tun können, ist, unseren Körper zu
betrachten und zu sagen: „Das bin ich. Das ist mein Körper. Mein Name
ist Hans Maier. Ich kann denken und fühlen und auch das ist ein Teil von
mir." Würdest Du jemandem sagen: "Ich bin etwas hinter all dem, was
Du
siehst und hinter allem, was ich denke und fühle. Ich bin Bewusstsein",
würde das nicht ein wenig eigenartig klingen? Warum eigenartig? Weil wir
uns mit unseren Wahrnehmungen unseres Körpers, d.h. unseres Verstandes
in dieser Welt identifizieren. Das ist eine Gewohnheit, eine tief in
unsere biologischen und neurologischen Abläufe verwurzelte Gewohnheit.
Und nicht nur das. Da wir gewohnheitsmäßig unser Selbstverständnis auf
unseren Körper/Verstand übertragen, sehen wir unsere materielle Umgebung
als etwas von uns Getrenntes. Somit wird die Welt zu einem Fremden, zu
etwas für sich selbst Existierendes. Durch den Prozess unserer
identifizierenden Wahrnehmung ist aus dem Einen das Viele entstanden.
In Yoga und Religion geht es darum, die Identifikation des Bewusstseins,
die dazu führte, dass aus dem Einen Viele wurden, zu entwirren. Nicht,
dass die Welt verschwinden würde. Sie wird lediglich als das angesehen
werden, was sie in Wirklichkeit ist, als ein Fluss des Einen, Deines
wahren Selbstes. Dann wird sie zu einem weit angenehmeren Ort. Darum geht es
auch eigentlich: wir sollen das Lebensglück in dieser Welt finden. Auch wenn alles durch die Schatten dieser scheinbaren
Getrenntheit unbeirrt weiterzutorkeln scheint, müssen wir nicht
fortfahren, es auf dieser Art zu sehen. Das ist das Versprechen, das Yoga und
Religion uns geben. Das ist das Versprechen spiritueller Übungen. Es ist
ein gutes Versprechen. Es liegt an uns, dieses Versprechen von Yoga und
Religion einzulösen, indem wir die Mittel, die uns angeboten werden,
nutzen.
Das Einswerden bedeutet nicht einfach, dass man die Situation
intellektuell verstehen lernt – obgleich das nicht schaden kann. Vielmehr
geht es darum, unsere tiefsten Funktionsweisen, biologische wie
neurologische, zu verändern. Dann verändert sich auch unsere
Erfahrungswelt und in weiterer Folge unsere Gedanken, Gefühle und
Handlungen, die mit Liebe angefüllt werden und einen tiefen Sinn
erhalten. Wir können alle mehr davon gebrauchen. Die Identifikation
löst sich nach und nach auf und etwas Gewaltiges tritt aus uns an die
Oberfläche hervor. Yoga ist nicht bloß ein intellektueller Vorgang. Es
ist etwas physisches, wie jeder weiß, der bereits eine Yogaklasse
besucht hat. Yogapraktiken operieren auf mehreren Ebenen – körperlich,
mental, emotional und neurologisch – und in Galaxien innerer
ekstatischer Energie!
Der Vorgang des Einswerdens beginnt damit, dass wir einen direkten
Kontakt mit unserem inneren Selbst, unserem Bewusstsein herstellen.
Haben wir darin einmal Fuß gefasst, d.h. diese Verbindung hergestellt,
können wir von dort mit vielen anderen Methoden fortschreiten. Sich
seines tiefsten Bewusstseins immer wieder gewahr zu werden, ist etwas
Friedvolles und Erfreuliches und kann unmittelbare Befreiung in ein
hektisches und geschäftiges Leben bringen. Dies wird durch Meditation –
einer ganz bestimmten Art der Meditation – der „tiefen Meditation“,
vollbracht. Sie ist die erste der fortgeschrittenen Yogaübungen, die wir
auf unserem Weg zur Einheit, auf unserem Weg, uns wieder mit unserem
Selbst zu vereinigen, erlernen werden. Dies ist ein guter erster
Schritt, der großen Gewinn bei nur kleiner täglicher Anstrengung bringt.
„Tägliche Anstrengung?" sagst Du. Davon werden wir als nächstes
sprechen. Denn ohne einer Selbstverpflichtung, dich täglich etwas zu
bemühen, wirst Du Deine Zeit hier verschwenden – wie auch sonst überall.
Der Guru ist in Dir.
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