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Lektion 129 – Nauli – Kundalini mit Deinen Bauchmuskeln aufsteigen lassen

Autor: Yogani
29. Februar 2004

    
Für neue Mitglieder: Es wird empfohlen, am Anfang des Archivs oder bei der Erklärung der Meditationstechnik zu beginnen, da die Kenntnis vorheriger Lektionen Voraussetzung für das Verständnis dieser Lektion ist. Die erste Lektion ist die Lektion 10 „Warum diese Erörterung?". Die Meditationstechnik wird in Lektion 13 "Meditation - Wecken der ruhenden Saat" eingeführt.

In der Lektion zu Yoni Mudra Kumbhaka (Lektion 91) haben wir eine Muskelbewegung eingeführt, die Uddiyana genannt wird. Dabei hebt man den Bauch mit dem Zwerchfell. Manchmal wird Uddiyana „Bauch-Aufzug“ genannt. Du wirst Dich daran erinnern, dass Uddiyana „hochfliegen“ bedeutet. Halten wir gleichzeitig den Atem im Inneren zurück, ist Uddiyana etwas knifflig, weil das Zwerchfell nicht so weit nach oben geht, wenn die Lungen mit Luft angefüllt sind. Deshalb wurde vorgeschlagen, dass wir Uddiyana auch außerhalb von Yoni-Mudra Kumbhaka praktizieren. Wir machen das, indem wir mit unseren Füßen etwas weiter als schulternbreit stehen; die Knie sind dabei etwas gebeugt und wir bücken uns so weit nach vorne, dass unsere Hände auf unseren Knien ruhen können. In dieser Position sehen wir aus wie ein Halbspieler beim Baseball, der etwas vorwärts gebeugt mit seinen Händen auf den Knien dasteht und gespannt darauf wartet, dass der Schlagmann den Ball trifft. Vielleicht stehen sie auch manchmal im Kricket so da?

Sind wir im Yoga (nicht Baseball) einmal in dieser Halbspieler-Position, dann werfen wir alle Luft aus den Lungen aus und heben dann unser Zwerchfell. Tun wir dies mit einer nackten Taille, sehen wir, wie unser Bauch nach innen geht, wenn das Zwerchfell in den Brusthohlraum nach oben geht. Die meisten Yogaschulen lehren dieses stehende Uddiyana als Teil einer regelmäßigen Routine von Stellungen und das wäre auch eine gute Zeit das zu praktizieren – während der Asanas vor unserem Pranayama und der Meditation. Uddiyana hat positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Es zieht auch Energie von unserer Beckenregion nach oben. Deshalb ist sie auch Teil von Yoni Mudra Kumbhaka – zusammen mit anderen Mudras und Bandhas, die wir ausführen und die alle darauf abzielen die Kundalini-Energie zu erwecken und sie nach oben durch unser Nervensystem zu bewegen.

Bei Uddiyana nutzen wir den Bauch auf eine ziemlich feststehende Weise, weil wir überhaupt nichts Dynamisches mit den Bauchmuskeln machen. Wir ziehen den Bauch ganz einfach ein, indem wir unser Zwerchfell nach oben heben. Uddiyana können wir dynamisch machen, indem wir mit dem Zwerchfell nach oben und unten gehen. Wir würden die Dinge gerne noch weiter aufmöbeln und mehr Stimulation auf die Kundalini-Energie in unserer Beckenregion legen. Indem wir das tun, schaffen wir auch die Voraussetzung für ein integriertes Netzwerk von Kleinstbewegungen des ganzen Körpers, die auftreten, wenn die ekstatische Leitfähigkeit aufsteigt und in unserem Nervensystem zur Reife kommt. Ein Teil davon wird eine automatische Verbindung zwischen den Bewegungen im Bauch und den Bewegungen in der Beckengegend sein und uns schließlich ekstatische Mikrobewegungen den ganzen Weg von der Wurzel bis hinauf zur Brust bescheren.

Natürlich ist anfangs nichts davon eine „Mikrobewegung“. Wir müssen mit „großen Bewegungen“ – was die Mudras und Bandhas auch anfangs sind, wenn wir sie lernen – beginnen. Lernen wir die Violine zu spielen, müssen wir zuerst die langen einfachen gleichmäßigen Striche beherrschen lernen, bevor wir uns an die kurzen komplexen vielstimmigen wagen können. Vergleichbar damit beginnen die Mudras und Bandhas gewöhnlicherweise deutlich hervortretend und sichtbar und verfeinern sich dann mit der Zeit auf natürliche Weise zu zarten unsichtbaren automatischen Kunstgriffen tief in unserem zunehmend ekstatisch werdenden Nervensystem. Dann sind es die Bewegungen von ekstatischer Kundalini-Energie in unserem Nervensystem, welche die Mikrobewegungen über unseren ganzen Körper verteilt ausführen und wir werden Zeugen eines unendlich glorreichen Anblicks von leuchtender Neurobiologie, die in unserem Inneren am Werke ist.

Die dynamische Technik, die uns über Uddiyana hinausführt wird „Nauli“ genannt, was soviel wie „durchrühren“ oder „herumwirbeln“ heißt. Wir beginnen in der oben beschriebenen stehenden „Halbspielerhaltung“. Dann machen wir Uddiyana, werfen all unsere Atemluft aus und ziehen unser Zwerchfell nach oben. Das führt dazu, dass unser Bauch eingezogen wird. Damit stehen wir also in Uddiyana. Nun machen wir noch etwas anderes, um Nauli daraus zu entwickeln. Gehen wir aber Schritt um Schritt vor.

Sobald wir uns einmal in Uddiyana befinden, ist das erste, was wir machen, ein Zusammenziehen unseres Bauchmuskels indem wir gleichmäßig mit beiden Armen auf unsere Knie hinunterdrücken. Das ist wie ein Aufrichten beim Aufstehen. Nur kommt es zu keiner Bewegung des Aufrichtens, weil unsere Arme und Hände unseren Oberkörper mit unseren Knien verbinden. Während wir dies tun, befinden wir uns in Uddiyana – unser Bauch ist also durch unser angehobenes Zwerchfell immer noch eingezogen. Nun geschieht etwas Neues. Auch wenn wir unseren Bauch mittels unseres Zwerchfells einziehen, werden wir merken, dass sich unsere Bauchmuskeln in einer Linie nach oben und unten entlang des Zentrums unseres Bauches aufwölben. Dadurch nimmt die Sogwirkung auf unsere Beckengegend beträchtlich zu. Versuche Deine Bauchmuskeln einige Male zu beugen, während Du Dich in Uddiyana befindest und sieh, wie sie entlang der Mittellinie Deines Bauchs aussehen.

Zusammenfassung: Steh da wie ein Halbspieler, mit den Händen auf den Knien. Wirf alle Atemluft aus. Hebe Dein Zwerchfell. Beobachte, wie Dein Bauch eingezogen wird. Dann ziehe Deinen Oberkörper (der über die Hände mit den Knien verbunden ist) nach unten in Richtung Deiner Knie, wobei sich Deine Bauchmuskeln in einer Haltung wie beim Aufstehen befinden. Dann siehst Du die Linie von Bauchmuskeln, wie sie sich in einer Linie längs der Mitte Deines Bauches auswölbt.

Siehst Du wie einfach das ist? Fühlst Du den zusätzlichen Sog von Deiner Beckengegend nach oben? Großartig! Jetzt hast Du es verstanden. Nun beuge diese Bauchmuskeln ein paar Mal. Komm in einen Rhythmus und führe alle paar Sekunden eine Beugung durch. Suche Dir einen Rhythmus, der sich für Dich gut anfühlt. Machst Du das ein paar weitere Male, merkst Du vielleicht, dass das Beugen der Bauchmuskeln zu jeder Ebene von Mulabandha/Asvini, mit denen Du bisher vertraut geworden bist, passt. Lass das, wenn Du willst, gemeinsam spielen. Im Laufe der Zeit werden sie auf einer feinen neurologischen Ebene miteinander verbunden und Du wirst nicht in der Lage sein, das eine zu machen, ohne geneigt zu sein, auch das andere hinzuzufügen. Diese Art natürlicher Integration wird sich bei allen Mudras und Bandhas in Deinem Körper einstellen – doch mehr dazu später.

Hier bist Du also und beugst weiter. Vielleicht fühlst Du eine Art nette Energie in Deinen Bauch hochkommen und vielleicht noch weiter hoch in Deine Brust und sogar den ganzen Weg hinauf in Deinen Kopf. Die Bauchmuskeln können auf diese Weise sehr kraftvoll für das Aufsteigenlassen der Kundalini eingesetzt werden.

Aber Du weißt, dass das noch nicht Nauli ist. Wir haben noch nicht damit begonnen, diese Muskeln zu „wirbeln“. Der Schlüssel beim Wirbeln liegt in der Trennung des Beugens unserer linken Bauchmuskeln vom Beugen unserer rechten und diese beiden Beugungen in eine wirbelnde Bewegung zu koordinieren. Wir besitzen dort drin zwei lange Bauchmuskeln. Einer geht auf der rechten Seite des Bauches nach oben und unten und der andere geht auf der linken Seite nach oben und unten. Wie trennen wir sie voneinander? Dank unserer Halbspielerstellung ist es nicht sehr schwierig zu lernen, das zu tun.

Begib dich also wieder genauso in die Halbspielerstellung für Uddiyana und Nauli, wie Du sie vorher innehattest. Diesmal, anstatt beide Bauchmuskeln mit gleichem Druck über die Arme auf beide Knie zusammenzuziehen, ziehe Dich nur über einen Arm zu einem Knie hinunter. Suche Dir selbst heraus, welchen Du nimmst. Befindest Du Dich in Uddiyana, ziehe Dich mit Deinem Bauch über einen Arm nur zu einem Knie hinunter. Was passiert? Hast Du gesehen, wie sich eine Seite Deiner Bauchmuskeln nach außen wölbte und die andere Seite drinnen geblieben ist. Ist dies der Fall, hast Du es richtig gemacht. Nun wechsle zur anderen Seite. Beuge Deinen Bauch indem Du den gesamten Druck über den anderen Arm zum anderen Knie gehen lässt. Hat sich die andere Seite Deiner Bauchmuskeln nach außen gewölbt? Gut. Nun versuche im gleichen Rhythmus, den du innehattest, als Du beide Seiten zur selben Zeit betätigt hast, hin und her zu gehen. Nur ist es hier abwechselnd die linke Seit, die rechte Seite und so weiter.

Nun ziehst Du auf wechselnden Seiten vom Beckenbereich nach oben. Das ist für die Kundalini-Energie stimulierender. Bist Du bereit, nun auch noch den Rest zu erfahren? Sehen wir, ob wir diese Muskeln wirbeln können.

Sobald Du es schaffst Deine Bauchmuskeln geschmeidig hin und her, von links nach rechts gehen zu lassen, ist es nur noch ein kleiner Schritt zum vollständigen Nauli. Anstatt mit den Muskeln jede zu seiner Zeit von links nach rechts heraus und hineinzugehen, versuche ein Von-links-nach-rechts-darüber-Hinwegfegen. Das bedeutet: während dein linker Bauchmuskel nach außen gebeugt ist, kommst Du bereits mit dem rechten hervor, noch ehe Du den linken ganz zurückgelassen hast. Auf diese Weise sind für einen Augenblick in der Mitte beide gebeugt. Gehst Du dann weiter zum Beugen der rechten Seite, lässt Du die linke los. Der Effekt ist, dass Du eine fortlaufende Bewegung deiner Bauchmuskeln siehst, wie sie von links nach rechts gehen – ein Fegen. Entspannt dann Dein rechter Muskel und geht zurück nach innen, kommt der linke wieder zurück nach außen und Du gehst wieder hinüber vom Muskelspiel der linken Seite zu rechten und so gehst Du herum und herum, wirbelst von links nach rechts, von links nach rechts, so immer wieder. Du kannst das Wirbeln spüren und regulieren, indem Du den Wechsel des Drucks, der durch Deine Arme vom linken Knie zum rechten Knie geht, fühlst, wenn das Beugen Deines Bauchmuskels von der linken zur rechten Seite wechselt und dann zurück.

In dieser frühen Phase von Nauli trainieren wir uns eine Gewohnheit des Ausführens an. Das wird anfangs ohne Zweifel etwas „klobig“ ausfallen. Doch gib nicht auf. Du wirst lernen, damit umzugehen. Lerne zuerst, es in eine Richtung auszuführen. Wir haben mit dem Wirbeln der Muskeln nach außen von links nach rechts begonnen. Sobald dies bei Dir gut läuft, dann erlerne es von der anderen Seite her, von rechts nach links. Kannst Du einmal von beiden Seiten aus wirbeln, bist Du auf dem Weg ein Nauli-Experte zu werden.

Mit etwas Übung wirst Du in der Lage sein Deine Bauchmuskeln wie ein Springseil herumzuwirbeln und das wird köstliche Wirkungen auf die Energie in Deinem Beckenbereich haben. Kundalini ist mit so viel Stimulation, die sie liebkost, nicht in der Lage zu widerstehen.

Wir machen diese Makro-Bewegung von Nauli nicht während unserer sitzenden Übungen, sondern bevor wir uns zu Pranayama und Meditation hinsetzen. Es kann ein Teil unserer Asanas sein und dann gemacht werden, wenn in unserer Hatha-Yoga-Routine Uddiyana an der Reihe ist. Oder, wenn wir es nicht gewohnt sind Asanas zu machen, können wir Nauli alleine ausführen, bevor wir uns zu unseren Übungen niedersetzen. Führen wir Nauli vor unseren sitzenden Übungen aus, erweckt dies unser Nervensystem auf eine Weise, die sehr förderlich für Pranayama, Yoni Mudra Kumbhaka und Meditation ist.

Versuche mindestens zwanzig Naulirotationen in jede Richtung vor jeder Pranayama- und Meditations-Sitzung. Kommst Du beim Ausführen von Nauli außer Atem, belaste
Dich nicht. Mache einfach eine Pause, nimm einen oder zwei tiefe Atemzüge, atme wieder aus und mach weiter. Bist Du mit Nauli vertrauter, wirst Du auch in weniger formelle Weise, in Situationen, in denen Du Dich nicht in der Halbspielerposition befindest, Deine Bauchmuskeln rotieren zu lassen. Hast Du Dir z.B. die Gewohnheit angeeignet, die beiden Bauchmuskeln getrennt voneinander zu kontrollieren, wird es für Dich einfach sein, entspannt auf dem Rücken liegend und schließlich auch aufrecht sitzend Nauli auszuführen. Mit der Zeit wird sich Nauli soweit verfeinern, dass Du in der Lage bist, Nauli fast unmerklich, ohne sichtbare Bewegung fast überall zu machen – mit wundervollen ekstatischen Wirkungen. Diese Art von Nauli lässt sich – während man in Kechari ist – sehr schön mit feinen Bewegungen von Mulabhanda/Ashvini abstimmen. Diese ekstatischen Übungen können in der Öffentlichkeit ausgeführt werden, ohne dass irgendjemand weiß, dass Du sie machst – außer natürlich, dass man bei Dir ein Glühen erkennt.

Wir werden eine subtile Version von Nauli kennen lernen, wenn wir zum dynamischen Jalandhara (die „Kinn-Pumpe“) weitergehen. Dabei ist der obere Teil des Körpers in einem viel größeren Ausmaß in die Stimulation der Kundalini-Energie zwischen Herz und Kopf einbezogen.

Nauli ist eine kraftvolle Übung und hat weit reichende Auswirkungen. Wir haben hier nicht wie sonst zu Beginn der Lektion auf Vorsichtsmaßnahmen aufmerksam gemacht, weil Nauli normalerweise keine Übung ist, die uns unmittelbar in Schwierigkeiten mit Kundalini-Energie bringen kann. Es ist aber selbstverständlich, dass Du Nauli nicht durchführen solltest, wenn Du gesundheitliche Schwierigkeiten hast, die durch Nauli verschlimmert werden könnten. Außerdem, wenn Nauli über längere Zeit ohne die Vorteile der Übungen zur globalen Reinigung, Meditation und Wirbelsäulenatmung, durchgeführt wird, könnte das zu Energie- ungleichgewichten im Körper führen. Es ist auf jeden Fall von Vorteil sich gute Übungen zur allgemeinen Reinigung angeeignet zu haben und regelmäßig zu praktizieren, bevor man irgendwelche Übungen aufnimmt, die sich zur Kundalini-Stimulierung auf bestimmte Gebiete konzentrieren. Deshalb haben wir diese Lektionen hier mit Meditation und Wirbelsäulenatmung begonnen und weisen auch immer wieder auf sie als die Kernübungen der fortgeschrittenen Yoga-Übungen hin. Sie sind die Voraussetzung für alles, was wir hier tun.

Wenn Du willst, kannst Du Nauli erlernen, bevor Du Dich anderen über die Meditation und die Wirbelsäulenatmung hinausgehenden Fortgeschrittenen Yoga Übungen zuwendest. Meditation und Wirbelsäulenatmung sind jedoch die empfohlene Mindestvoraussetzung für Nauli.

Stelle immer sicher, dass die Übungen, die Du bereits erlernt hast, geschmeidig sind, bevor Du neue aufnimmst. Es ist sehr wichtig, eine stabile Plattform von Übungen zu pflegen, die Du langfristig aufrechterhalten kannst. Sobald Du weißt, dass Du bereit dazu bist, kannst Du, wenn Dich Dein Bakhti zu mehr aufruft, auf methodische Weise neue Übungen hinzunehmen.

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