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Lektion 151 – F&A – Samyama: Eingewöhnen in die Sutren

Autor: Yogani
31. März 2004

    
Für neue Mitglieder: Es wird empfohlen, am Anfang des Archivs oder bei der Erklärung der Meditationstechnik zu beginnen, da die Kenntnis vorheriger Lektionen Voraussetzung für das Verständnis dieser Lektion ist. Die erste Lektion ist die Lektion 10 „Warum diese Erörterung?". Die Meditationstechnik wird in Lektion 13 "Meditation - Wecken der ruhenden Saat" eingeführt.

Frage: Ich bin ein wenig verwirrt darüber, wie wir uns mit den Sutren in Beziehung setzen sollen. Ausstrahlung und Einheit sind für mich sehr vage und zweideutig – für mich sind diese vor allem Kontextwörter während sich Liebe selbst erklärt. Warum wählen wir genau diese Sutren aus, z.B. kann bei „Stärke“ jemand behaupten, Gelenkigkeit könne nützlicher sei. Wie steht es mit Pratyahara und Akasha? Wenn Du so etwas noch nie erlebt hast, dann sind diese Dinge so bedeutungslos wie Mantren. Woher soll dann die versprochene Wirkung kommen? Kann man persönliche Sutren hinzufügen? Oder ist dies gefährlich? Manche Menschen wünschen sich für sich vielleicht mehr Demut? Ich hoffe, das hilft Dir, damit Du meine Verständnislücken füllen kannst. Danke für all die Zeit, die Du in diese Lektionen steckst – das ist eine richtige Goldmine.

Antwort:
Zuerst dachte ich mir, ich müsste für jedes Sutra eine bestimmte Bedeutung angeben. Doch entschloss ich mich, das nicht zu tun, weil jeder Mensch seine eigene „Ökologie“ mit den Bedeutungen in seiner eigenen Sprache und Kultur finden wir, wie auch Du die Deinige findest. Es ist, wie es sein sollte. Normalerweise setzt es sich mit der Zeit etwas ab.

Jemand anders schrieb und sagte, sie wüssten nicht, was Liebe sei, würde aber alles andere gut finden. So ist es bei jedem anders. Die individuellen Bedeutungen sind nicht so wichtig wie die Übung insgesamt. Denn schließlich wird jeder zu den Bedeutungen finden, die für ihn richtig sind. Samyama wird das Ansteigen der inneren Stille anregen, die, wenn man die ganze Reihe der Sutren nutzt, zusammen genommen das gesamte Nervensystem reinigen und öffnen.

Bezüglich der Abänderung der Sutren: das liegt ganz bei Dir. Wenn ‚Demut’ für Dich nicht in ‚Liebe’ mit eingeschlossen ist, dann füge es noch hinzu. Ist „Ausstrahlung“ nicht klar, nutze z.B. „göttliche Ausstrahlung“ oder „überfließendes Licht“. Ist „Einheit“ unklar, verwende „Einssein“. Oder, vielleicht beruhigen Dich diese Erläuterungen so weit, dass Du die Originale nutzt.

Akasha ist am besten als lebendiger innerer Raum zu verstehen – lebendige Leere. Fast reines Glückseligkeitsbewusstsein selbst. Unser Körper ist dies – Energie im riesigen leeren Raum. Hier ist nicht recht viel – nur die Erscheinung von etwas. Akasha bedeutet dies. Dann, in dem Sutra „Akasha – Leichtigkeit von Luft“ lassen wir es in die Stille gehen und alles in uns bewegt sich zur Manifestation von Leichtigkeit. Whuuusch! Sorge Dich nicht zu sehr um Bedeutungen. Das notwendige Wissen befindet sich im Inneren. Es erfordert nicht viel, die richtige Richtung einzuschlagen.

Pratyahara wird nicht als ein Sutra angeboten – dafür „nach innen gerichtete Sinnlichkeit“ was zu einer Belebung der Sinne nach Innen führen wird. Es gibt eine Lektion zu Pratyahara (Lektion 121), welche die Bedeutung davon verdeutlichen sollte. Es wird auch in anderen früheren Lektionen erörtert, zuletzt in der zu den acht Gliedern des Yoga (Lektion 149).

Das Aufgreifen der Sutren ist keine exakte Wissenschaft. Lege Dich auf eine gute Liste für Dich fest und bleibe dabei. Du kannst nicht zu weit von der Spur abkommen, wenn Du im Grundbereich der Bedeutungen bleibst. In Patanjalis Yoga Sutren gibt es noch viele mehr. Viele davon sind viel abstrakter, als diejenigen, die hier gegeben wurden. Die Idee dahinter ist, die drei Ebenen des Körpers, des Versandes und des Herzen ganz abzudecken und die innere Stille dadurch nach außen zu stimulieren. Dies wird die wichtigen Kanäle (Nadis) im Nervensystem reinigen und öffnen. Wenn Du dich einmal mit Samyama eingerichtet hast, schlagen wir vor, dass Du die Sutren nicht mehr oft abänderst. Wir wollen in die Tiefe gehen und das ist schwierig, wenn wir ständig den Ort unseres Grabens wechseln. Aus demselben Grund halten wir auch unser Mantra immer bei, außer dass wir es gelegentlich erweitern, sobald wir für einen „Gangwechsel“ zur Erweiterung unserer Gegenwart im reinen Glückseligkeitsbewusstsein bereit sind.

Entwickelt sich Deine Gewohnheit des Samyama durch tägliche Übung, wirst Du allmählich bemerken, dass all Dein Denken und Fühlen während der täglichen Handlungen seinen Ursprung tiefer im Inneren hat. Dies ist der letztendliche Vorteil der Ausführung von Samyama. Es kultiviert die Gewohnheit in uns, aus der Ebene der göttlichen Stille heraus zu leben und uns aus ihr heraus auszudrücken. Dann finden wir zunehmenden Erfolg und Glück in allem, was wir tun. Es ist eine Gewohnheit des Denkens und des Tuns, die wir kultivieren. Während also die Auswahl jedes Sutras wichtig ist, bleibt es der Gesamteffekt der ganzen Reihe von Sutren in unserem täglichen Leben, worauf wir eigentlich aus sind.

Frage: Danke vielmals für Deine Antwort. Das verdeutlicht die Sache. Ich frage mich nur, weil einige Menschen sagen, Akasha hätte die Bedeutung von Geist. Es ist das fünfte Tattva und entspricht in der europäischen esoterischen Tradition dem fünften Element Geist – dem Beherrscher der anderen Elemente. Mir sind die indischen Wörter nicht vertraut, doch ist es auf jeden Fall interessant.

Antwort: Akasha ist der letzte Absprungspunkt vor dem unmanifestierten reinen Glückseligkeitsbewusstsein, der unendlichen Stille in uns, der Essenz von allem, was ist. In allen Traditionen gibt es eine Notwendigkeit den verschiedenen Ebenen des Funktionierens in der Natur mythologische Gottheiten, Herrscher und Autoritätsfiguren zuzuschreiben. Das hat mit der natürlichen menschlichen Notwendigkeit für ein Ishta (gewählte Gottheit) zu tun, welche Bhakti und das spirituelle Wachstum stimuliert. Auf diese Weise wirkt Bhakti und es ist sehr wichtig, dass wir dies auf die eine oder andere Weise haben. Allerdings wollen wir während unserer Samyama-Praxis nicht ganz in Bhakti-Schwärmerei eingetütet werden. Wir greifen nur das Sutra sehr undeutlich auf und lassen es in die Stille gehen. Es ist wichtig während Samyama keine Schwärmerei von Verstandeskontemplation oder von Anbetungsritualen zu begünstigen. Das können wir später noch machen. Samyama ist wie die tiefe Meditation eine besondere Übung, der wir während der Zeit ihrer Ausführung immer den Vorzug geben.

Der Körper als „Akasha“ (lebendiger leerer Raum) ist die erste Stufe des zweiteiligen Leichtigkeits-Sutras. Der zweite Teil, „Leichtigkeit der Luft“ bewegt innere Stille und damit auch unseren Akasha-Körper. Doch dies kann nur geschehen, wenn wir das Sutra in die Stille gehen lassen. So ist es mit allen göttlichen Manifestationen und das schließt alles im Kosmos ein. Alles was wir sehen und kennen entspringt den Schwingungen, die aus reinem Glückseligkeitsbewusstsein herausfließen.

Joh. 1.1 „Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott … Alle Dinge wurden aus dem Wort gemacht …“

Die Grundprinzipien von Samyama stecken hinter allen vergänglichen Manifestationen.

Um unserer Erleuchtung willen können wir in den göttlichen kreativen Prozess in unserem Inneren eintreten.

Der Guru ist in Dir.

 

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