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Lektion 199 – Wie man beim Öffnen der Krone vorgeht
Autor: Yogani
25. Mai 2004
Für neue Mitglieder: Es wird empfohlen, am
Anfang des Archivs oder bei der Erklärung der Meditationstechnik zu
beginnen, da die Kenntnis vorheriger Lektionen Voraussetzung für das
Verständnis dieser Lektion ist. Die erste Lektion ist die
Lektion 10 „Warum diese Erörterung?". Die Meditationstechnik wird in
Lektion 13 "Meditation - Wecken der ruhenden Saat"
eingeführt.
Sind wir einmal auf dem Yoga-Weg in Fahrt gekommen, dann ist es nicht mehr
schwierig, die Krone zu öffnen. Der Trick dabei ist, sie so zu öffnen,
dass dadurch eine reibungslose und progressive Reise auf dem Yoga-Pfad
möglich ist. Öffnen wir die Krone zu früh, bevor im Nervensystem noch eine
hinreichende Reinigung stattgefunden hat, kann uns dies mit
Kundalini-Exzessen eine Menge Schwierigkeiten bescheren, wenn sich alles
in uns anstrengt, mit dem riesigen Energiesog nach oben durch die Krone
mitzuhalten. Es ist also sehr wichtig, sich mit der Dynamik der Krone und
deren Beziehung mit der im restlichen Körper ablaufenden Reinigung etwas
auszukennen und die Übungen so in Dienst zu nehmen, dass das gesamte
Nervensystem gereinigt und gleichzeitig die Krone geöffnet wird. Dies ist
nicht so schwierig, wie es klingt, wenn einmal ein gutes Zusammenspiel
verschiedener Übungen sinnvoll angewandt wird. Es ist sogar so, dass Du
das schon eine ganze Weile tust, wenn Du die fortgeschrittenen
Yoga-Übungen, so wie sie in den Lektionen beschrieben sind, nutzt. Dies
ist der beste Weg für die Kronen-Öffnung: indirekt – erst viel später im
Spiel konzentriert man sich darauf.
Die Krone ist auch als „Sahasrara“ bekannt – der tausendblättrige Lotus am
Scheitel des Kopfes. Physisch korrespondiert dies mit der Korona Radiata,
einer Menge Nerven nahe dem Scheitel des Kopfes über den beiden
Hauptventrikeln des Gehirns. Ist sie inaktiv, ruht die Energie dort in
Form einer „Schädelkappe“ und wir spüren davon nichts. Wird sie durch die
Aufmerksamkeit stimuliert, dreht sich die Schädelkappe um und formt eine
Schale oder in Form einer Blume den tausend-blättrigen Lotus. Liegt sie so
nach oben, sagt man, sie sei erweckt oder geöffnet. Wir können das nicht
übersehen, denn wenn die Krone in vollem Schwung ist, zieht sie uns nach
oben und innen wie ein spiritueller Staubsauger. Dieses Nach-oben-Ziehen
können wir tief in unseren Lenden spüren. Kundalini kann der Versuchung
einer geöffneten Krone nicht widerstehen und taumelt zu ihr nach oben. Das
Problem ist nun Folgendes: Wenn unser Nervensystem zwischen der Wurzel und
Krone nicht genügend gereinigt ist, wird Kundalini beginnen durch alles zu
preschen, um zur Krone zu gelangen. Genau das bringt die so genannten
exzessiven Kundalini-Symptome hervor, die gleichzeitig das Gegenstück von
emotionellen Schwierigkeiten einschließen können.
Verschiedene Traditionen ermutigen dazu, früh auf der Yoga-Reise mit
Übungen zur Krone zu gehen. Einige wenige gehen sogar zu aller erst dahin.
Die Ergebnisse sind vorhersehbar: Menschen bekommen Kundalini-Probleme und
es gibt ziemlich viele Leute, die zu diesen Lektionen hier kommen und nach
Linderung suchen. Andere erleben das, was eine „spontane Erweckung“ von
Kundalini genannt wird. Obwohl ich es nicht beweisen kann, glaube ich,
dass spontane Erweckungen auch das Produkt von Yoga-Übungen sind, die
verfrüht zur Krone gegangen sind, jedoch in einem früheren Leben und nicht
in diesem. Solche Menschen werden aufgrund dieser lang vergessenen
Praktiken und Ungleichgewichte, die tief im Nervensystem eingespeichert
sind, in dieses Leben mit einer „Verdrahtung“ für die spontane Erweckung
hineingeboren. Vorzeitige Kronenerweckung ist die häufigste Ursache für
exzessive Kundalini-Symptome – möglicherweise ist es sogar der einzige
Grund.
Glücklicherweise sind gute Übungen zur Erweckung der Krone zusammen mit
der Reinigung des übrigen Nervensystems auch eine Hilfe für das Ausglätten
von Energieungleichgewichten, die aus der Vergangenheit noch übrig sind.
Hier gibt es also eine gute Nachricht für uns alle, die wir mit unserer
Energie eine Stabilität aufgebaut haben und unsere Reise zu Ende führen
wollen und auch für uns, die wir mit den Kundalini-Schwierigkeiten vom
Wagen gepurzelt sind, die Situation wieder heilen und zur Beendigung
unserer Reise weitergehen wollen.
Unterhalten wir uns einmal über die Dynamik der Krone in Beziehung zum
Rest des Nervensystems. In Lektion 188 zum Mantra-Design wurde erwähnt,
dass die Sushumna in der Mitte des Kopfes eine Gabelung aufweist. Ein
Strang geht nach vorne zum Punkt zwischen den Augenbrauen und der andere
geht in das Kronenzentrum. In der Wirbelsäulenatmung nehmen wir mit
unserer Aufmerksamkeit den Strang nach vorn und durchlaufen den
Wirbelsäulennerv wiederholt mit unserem Atem, der zwischen der Wurzel und
dem Punkt zwischen den Augenbrauen hin und herläuft. Dabei kultivieren und
reinigen wir den Wirbelsäulennerv entlang dieser Route. Das Ergebnis ist
eine Ausstrahlung von reinigender Lebenskraft (Prana), die vom
Wirbelsäulennerv in alle Richtungen in das Nervensystem hinausgeht.
Diese Energie-Ausstrahlung aus dem Wirbelsäulennerv geht an der Gabelung
auch den anderen Strang zur Krone hoch. Wir denken aber gar nicht daran.
Wir schenken der Krone keine Aufmerksamkeit. Trotzdem reinigt die
Wirbelsäulenatmung zwischen den Brauen und der Wurzel auf diese Weise die
Krone – genauso wie sie das übrige Nervensystem reinigt.
Ein ähnlicher Effekt ereignet sich auch bei der tiefen Meditation. Mit dem
I AM [AYÄM] Mantra wird die Krone ganz natürlich mit innerer Stille
durchdrungen und wird allmählich zusammen mit dem Rest des Nervensystems
gereinigt. Mit den Mantra-Erweiterungen weiten wir das Mantra schrittweise
auf Wegen aus, die verschiedenen Funktionen dienen. Eine dieser Funktionen
ist, den reinigenden Einfluss auf die Krone zu vermehren, ohne die
Aufmerksamkeit direkt auf die Krone zu lenken. Dies wird durch die
Resonanz der Mantra-Schwingung tief in unserem Inneren erreicht. Samyama
verstärkt die Einwirkung der inneren Stille im Nervensystem noch weiter,
indem sie die stille Bewusstheit aus dem Inneren in verschiedene
Richtungen durch das Nervensystem bewegt und die Krone erhält ihren
gerechten Anteil dieser sich bewegenden Siddhi Stille.
Im Laufe der Zeit fügen wir noch viele weitere Übungen hinzu, die
ebenfalls zur Reinigung des Wirbelsäulennervs stimulieren: Mudras,
Bandhas, Siddhasana, Yoni Mudra, Kechari, Kinnpumpe, Wirbelsäulen-Bastrika
und so weiter . All diese Übungen öffnen die Krone durch indirekte
Einflüsse. Durch die Erweckung des Wirbelsäulennervs zwischen dem dritten
Auge und der Krone erwecken wir automatisch auch die Krone.
Ein Meilenstein auf unserer Reise ist die Erweckung von ekstatischer
Leitfähigkeit. Dies ist eine sanfte, stufenweise und ekstatische Erweckung
von Kundalini. Sie ist leicht erkennbar an der direkten Verbindung, die
zwischen Sambhavi und den angenehmen an der Wurzel stimulierten
Empfindungen geknüpft wird. Von dort schreitet die ekstatische
Leitfähigkeit mit unserer täglichen Praxis stufenweise voran. Sobald
ekstatische Leitfähigkeit einmal auftritt, sind wir in der Lage, selbst zu
beobachten, welche Beziehung zwischen der allmählich sich öffnenden Krone
und dem Rest unseres Nervensystems besteht. Richten wir unsere
Aufmerksamkeit hinauf zu den sich aufrichtenden Kelchblättern am Scheitel
unseres Kopfes, fühlen wir, wie es uns ekstatisch im Inneren von der
Wurzel den ganzen Weg entlang nach oben zieht. Mache daraus keine
ausgedehnte Übung, denn auch wenn die ekstatische Leitfähigkeit erweckt
ist, ist es möglich, dass man übertreibt und exzessive Energieflüsse mit
nachfolgendem emotionalem Reinfall erlebt. Mit anderen Worten: mit der
ekstatischen Leitfähigkeit hat man keine Lizenz, geradewegs zur Krone
geht. Doch können wir ab und zu ein wenig experimentieren und das Gefühl
dafür bekommen, was Hand und Fuß hat und was nicht. Gewöhnlicherweise wird
aber auch jede leichte übermäßige Beanspruchung der Krone, die man so zu
spüren bekommt, nur für ein paar Stunden oder Tage anhalten, bevor sich
die Energie wieder ausgleicht.
Wir können die Krone auf diese Weise mit unserer Aufmerksamkeit kurzzeitig
berühren, wenn ekstatische Leitfähigkeit erweckt ist, weil wir ebenso das
dritte Auge erweckt haben. Die Erweckung der Sushumna zwischen dem dritten
Auge und der Wurzel gibt uns eine Stabilität, die wir vorher nicht
besaßen, und einen natürlichen inneren Energieausgleich, der jederzeit
einfach durch das Gehenlassen in die Leitfähigkeit, die zwischen dem
dritten Auge und der Wurzel besteht, angeregt werden kann. Dies ist die
Kraft der Erweckung des dritten Auges. Es gibt nur wenig, das dieses
Gleichgewicht stören kann, sobald sich die ekstatische Leitfähigkeit
einmal im Wirbelsäulennerv vom dritten Auge zur Wurzel rührt. Das ist der
Grund dafür, dass das dritte Auge (Ajna) „Befehl, Kontrolle“ bedeutet.
Wächst die ekstatische Leitfähigkeit in der Sushumna zwischen dem dritten
Auge und der Wurzel an, führen wir das Kommando im Kundalini-Prozess und
haben damit auch eine gute ekstatische Zeit.
Wie erwähnt, bedeutet dies nicht, dass wir alle in die Krone hinaufgehen
können. Auch ein kleines Durcheinander, das wir an der Krone anrichten,
ist kein Vergnügen. Warum sollten wir es also tun? Einige haben gefragt:
„Warum kann ich meine Wirbelsäulenatmung vom dritten Auge zur Wurzel nicht
einfach von der Krone zur Wurzel führen?“ Dafür gibt es zwei Gründe:
Erstens beschneidet dies die fortschreitende Aktivierung der Erweckung vom
dritten Auge zur Wurzel, wodurch die Instabilität im Energiefluss größer
wird. Verschiebe den Verlauf Deiner Wirbelsäulenatmung also nicht zur
Krone. Das wird nicht stabil sein – nicht einmal für fortgeschrittene
Yoginis und Yogis. Mach einfach mit der Wirbelsäulenatmung vom dritten
Auge zur Wurzel, tiefer Meditation und dem Rest, der gegeben worden ist,
weiter und all die Öffnungen werden weiterhin schnell und geschmeidig
voranschreiten und dabei auch die Krone mit einbeziehen.
Durch gelegentliche „Tests“ mit Setzen der Aufmerksamkeit auf die Krone
werden diese Tests mit der Zeit stabiler. Das gelegentliche kurze Setzen
des Bewusstseins auf die Krone wird nicht die Ursache für diese Stabilität
sein. Das prüft nur, um zu sehen, wie weit die Reinigung der Krone im
Einklang mit der Reinigung des restlichen Nervensystems vorangekommen ist.
Jede Stabilität, die kommt, hat ihre Ursache in unseren integrierten
fortgeschrittenen Yoga Übungen. Sobald sich etwas Stabilität einstellt,
werden wir in der Lage sein, unser Aufmerksamkeit für ein paar Minuten auf
die Krone zu richten, ohne dass wir danach in Energie-Schwierigkeiten
stürzen oder emotional abkippen. Dann und nur dann haben wir die sichere
Option, am Ende unserer Praxis vor der Ruhephase unsere Aufmerksamkeit
eine Zeit lang auf der Krone ruhen zu lassen. Wenn wir wollen, können wir
uns zurücklehnen oder uns hinlegen und Sambhavi nutzen während wir unsere
Aufmerksamkeit in die prachtvoll erhabene Kronenblüte, in die der Schaft
der durch das Zentrum heraufkommenden strahlenden Sushumna ragt, eintreten
lassen. Sambhavi fügt dem noch eine Schicht ekstatischer Glückseligkeit
und auch Stabilität hinzu, weil es das dritte Auge gleichzeitig aktiviert,
während die Krone durch die Aufmerksamkeit stimuliert wird. Vielleicht
sehen wir die Krone als Blume, vielleicht als Kelch, vielleicht rot,
vielleicht silbern oder weiß, vielleicht violett. Sie kommt in vielen
Farben. Einige mögen sie als eine Kobra mit einer großen ausgeweiteten
Haube hochgehen sehen. Wie immer wir sie sehen, es ist so, wie wir fühlen,
dass es uns hochzieht und dies ist die Erfahrung die alle machen. Wenn das
Öffnen der Krone und das annähernd gereinigte Nervensystem ein Stadium der
Reife erlangt, werden wir ohne das Chaos und Tohuwabohu, das bei
verfrühten Erweckungen so verbreitet ist, hochgezogen. Wir werden in reine
ekstatische Glückseligkeit hochgezogen. Dann können wir uns ergeben ….
Wir sind vielleicht fort und wissen nicht, wo wir waren. Oder vielleicht
haben wir irgendeine himmlische Vision. Sobald wir zurückkommen, sind wir
auf eine gewisse Weise neu, erleuchtet, strahlend wie niemals zuvor. Dies
ist der Beginn der Erfahrung in der erweckten Krone.
Sobald unsere Besuche bei der Krone stabil werden, können wir dort eine
aktivere Rolle übernehmen. Trotzdem behalten wir all unsere
fortgeschrittenen Yoga-Übungen weiterhin so bei. Doch etwas können wir
noch hinzufügen. Das wurde in der letzen Lektion zum gezielten Bastrika
erwähnt. Ist unser Nervensystem einmal genug gereinigt, so dass es den
Fluss der Energie befördern kann, wie er von einer offenen und aktiven
Krone angeregt wurde, dann können wir dort zusätzlich gezielt etwas tun.
Eine der effizientesten Methoden dafür ist der Einsatz von gezieltem
Bastrika zwischen der Krone und der Wurzel. Wir können dies mit der Krone
machen, wenn sie angehoben, offen oder geschlossen ist. Das erstere ist
intensiver. Wir können Sambhavi und andere Mudras und Bandhas anwenden,
während wir das gezielte Bastrika zwischen der Krone und der Wurzel
ausführen. Eins machen wir jedoch nicht: wir führen das nicht aus, ohne
alle Voraussetzungen für das gezielte Bastrika und auch das Testen und die
allmähliche Entwicklung des oben beschriebenen Kronenbewusstseins
entwickelt zu haben. Sind wir mit irgendetwas, das Aufmerksamkeit an der
Krone einschließt, zu früh dran, werden wir dies innerhalb von ein paar
Stunden wissen. Dies trifft besonders für das gezielte Bastrika zu, wenn
die Krone uneingeschränkt stimuliert wird. Unternimmt man also das
gezielte Bastrika an der Krone, sollte dies anfangs sehr sparsam sein –
nicht mehr als eine Minute auf einmal zu Beginn. Wenn das Ergebnis stabil
und in den Aktivitäten gut ist, kann es jeweils um eine Minute auf einmal
ausgeweitet werden. Diese Übung hat den gleichen Platz in der Routine, wie
alle Arten des gezielten Bastrika – am Ende der sitzenden Übungen, vor der
Ruhephase. Die Wirkung dieser Übung ist, die Atmosphäre der Krone in unser
tägliches Leben zu bringen. Wie fühlt sich das an? „Wie der Himmel auf
Erden“ ist ein Ausdruck, der einem da in den Sinn kommt.
Mach also mit den Übungen weiter und achte darauf, dass Du Dir selbst
nicht mit irgendetwas zu weit voraneilst. Tust Du das, wirst Du das früh
genug erkennen, weil es unangenehm sein wird. In solch einem Fall steckt
man sofort zurück, bis man eine stabile Übungsplattform erreicht. Manchmal
kommen wir schneller voran, wenn wir etwas rückwärts gehen.
Es ist gut, bei der Aufrechterhaltung unserer Routine des zweimal
täglichen Übens hartnäckig zu bleiben. Beim Übertreiben von Übungen ist es
jedoch nicht so gut, hartnäckig zu sein. Dies gilt besonders für alles,
was wir an der Krone tun.
Halte eine gleichmäßige Geschwindigkeit bei, die das Fahren angenehm
macht, und Du wirst rechtzeitig an Deinem Bestimmungsort ankommen – nicht
endende ekstatischer Glückseligkeit und überwältigende göttliche Liebe!
Der Guru ist in Dir.
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