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Lektion 20 – Meditation F&A – Erleuchtung ohne Gott?
Autor: Yogani
Sonntag, 30. November 2003
Für neue Mitglieder: Es wird empfohlen,
am Anfang des Archivs oder bei der Erklärung der Meditationstechnik zu
beginnen, da die Kenntnis vorheriger Lektionen Voraussetzung für das
Verständnis dieser Lektion ist. Die erste Lektion ist die
Lektion 10 „Warum diese Erörterung?". Die
Meditationstechnik wird in Lektion 13 "Meditation -
Wecken der ruhenden Saat" eingeführt.
Frage: Ich bin Atheist. Ein Freund erzählte mir von diesen
Lektionen. Offen gestanden finde ich die religiösen Zwischentöne hier
als störend. Aber ich war neugierig und probierte es mit der
Meditation und wurde angenehm überrascht. Ich würde gerne
weitermachen, weil es beruhigend auf meine Nerven wirkt und ich
begierig darauf bin, was es weiter so alles über mich zu erfahren
gibt. Aber ich bin immer noch Atheist. Gibt es so etwas wie eine
Erleuchtung ohne Gott?
Antwort: Es gibt sowohl Erleuchtung mit, als auch Erleuchtung
ohne Gott. Der Grund dafür ist, dass der Mensch von Natur aus für die
Erleuchtung geschaffen ist, d.h. jeder kann in einen höheren Zustand
der Entwicklung transformiert werden, unabhängig davon, welchem
Glaubenssystem er angehört. Man kann sogar sagen, dass alles, was
existiert, sich in diese Richtung bewegt, bei den Steinen angefangen
und aufwärts durch alle Reiche von Lebewesen. Alles bewegt sich
vorwärts. Die Menschheit ist also keine Ausnahme. Wir Menschen haben
aber die zusätzliche Gabe, diesen Prozess bewusst zu beschleunigen,
indem wir uns einer Abkürzung bedienen und das ist es, was die
fortgeschrittenen Yoga-Übungen genau sind. Wir können den
Entwicklungsprozess enorm vorantreiben.
Um die menschliche spirituelle Entwicklung rankt sich seit jeher der
Nimbus des Mystischen. Doch ist es mehr eine praktische Mystik, eine
Mystik zu einem Zweck. In der Konzeption von Gott, wie die Menschheit
sie sich in allen Völkern aller Zeitalter geschaffen hat, war
notwendigerweise die Struktur einer Beziehung vorherrschend. Dies hat
der Menschheit erlaubt, sich seiner höheren Bestimmung unterzuordnen
und sich seinem Höheren Selbst auch begeistert anzunähern. Das Beste,
was der Glaube an einen Gott sein kann, ist der Glaube an die höchste
Bestimmung der Menschheit, wie er aus unserem Inneren aufsteigt und
letztendlich überall um uns herum erfahren wird. Der Glaube an Gott
hilft den Leuten, persönlich am aufregendsten Teil der menschlichen
Reise teilzuhaben – dem Prozess der Erleuchtung.
Ist es notwendig, an Gott zu glauben, damit diese Entfaltung
stattfinden kann? Nein. Aber es ist notwendig, an etwas zu glauben, um
sich in Richtung Erleuchtung zu bewegen.
Wenn wir z.B. zusammen in einem New Yorker Café sitzen und ich dir von
einer wundervollen Örtlichkeit erzähle, die man Kalifornien nennt und
die dreitausend Meilen weit weg ist und dass du das unbedingt sehen
solltest - warum solltest du hinfahren? Angenommen, du glaubtest mir
nicht, glaubtest nicht, dass ein solcher Ort überhaupt existiert. Wie
könntest du die Motivation dazu aufbringen dorthin zu fahren? Das
würde schwer werden. Wenn du niemals westlich des Mississippi gewesen
bist, könntest du vielleicht glauben, dass jeder, der sich über den
Mississippi hinaus wagt, vom Rand der Erde stürzen würde. So dachten
die Europäer über den Atlantik, bis Leute wie Kolumbus oder Magellan
ihnen zeigten, dass dort auf der anderen Seite eine andere Welt und
noch mehr existierte.
Damit die Motivation entsteht, sich auf ein Ziel hin bewegen zu
wollen, muss man auch an die Möglichkeit glauben, dass dieses Ziel
überhaupt existiert. Bei vielen ist der Sprit auf der Reise in
Richtung Seelenheil der Glaube an Gott. Aber es muss dabei nicht
unbedingt um Gott gehen. Das Ziel kann genauso gut die Wahrheit sein -
der Glaube, dass eine letzte Wahrheit über oder in uns existiert und
dass wir sie leben können, dass wir zu dieser Wahrheit werden können.
Es kann auch der Glaube an einen persönlichen Transformationsprozess
sein und an unsere eigene Erfahrung davon, wenn wir meditieren und
andere Yoga-Methoden praktizieren. Wenn wir erfahren, wie wir uns
durch unsere Übungen auf natürliche Weise entfalten, kann das mehr als
genug für einen Glauben sein, dass, ist dieser Prozess einmal in Gang
gesetzt und befeuert durch unsere Erfahrungen von Glückseligkeit und
tiefe Stille, wir uns durch diese Übungen noch in ungeahntem Maße
weiter entfalten können. Ob wir uns dabei unseren aufsteigenden
Erfahrungen von Frieden und Glückseligkeit, oder der Vorstellung, die
letztendliche Wahrheit des Lebens zu erfahren oder einer Beziehung zu
Gott anvertrauen, wir werden letztlich zum selben Ergebnis gelangen –
einer unerschütterlichen Hingabe daran, mit „Dem" was wahr ist, eins
zu werden.
Jesus sagte:" Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird
euch befreien. (Joh. 8,32) … Kein Wort über Gott hierbei …
Das Wort „Gott" existiert weder im Buddhismus noch im Taoismus. Beide
haben aber ihre eigenen intellektuellen und emotionalen Antriebe
gefunden, sich dem Unendlichen im eigen Inneren zu nähern. In allen
Ansätzen wird jedoch dasselbe gesucht, diese große innere Wahrheit,
die tief in unserem Herzen, unserem Verstand und unseren Sinnen
verborgen liegt – das, mit dem wir uns auf direktem Weg vereinigen
können, und was im Gegenzug unsere Herzen, unseren Verstand und unsere
Sinne hell erleuchtet. Das ist das Vereinigen. Welchen Namen oder
welche Glaubenstruktur man darüber stülpt, das Ergebnis wird dasselbe
sein, - so lange der Aspirant die Motivation gefunden hat, die
Methoden der Transformation täglich anzuwenden.
Deshalb ist es nicht so wichtig, wie du dazu gelangt bist, an eine
Örtlichkeit namens „Kalifornien" zu glauben. Du kannst sie sogar bei
irgendeinem anderen Namen nennen. Wenn du genug daran glaubst, so dass
du nicht aufhörst einen Fuß vor den anderen zu setzen, wirst du
irgendwann mit deinen Zehen in den Pazifischen Ozean tippen können.
Wenn du nicht daran glaubst, dass sie dort zu finden ist, wirst du
kaum die nötigen Anstrengungen unternehmen, um dorthin zu gelangen. So
einfach ist das.
Denke an Erleuchtung auf gleich welche Art, die dich am meisten
inspiriert und nütze diese Inspiration, um jeden Tag zu meditieren…
Sei tolerant mit deinen Brüdern und Schwestern, die einem anderen
Glauben werthalten als du. Wir werden jeder seine eigene einzigartige
Leidenschaft für diese Reise entwickeln müssen und wir sind alle auf
dem Weg nach unserem Zuhause.
Anmerkung: Detaillierte
Anweisungen finden sich in dem
Buch "Tiefe Meditation" aus dem FYÜ-Verlag.
Der Guru ist in Dir.
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