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Lektion 38 – Was ist dein Zeitplan?
Autor: Yogani
9. Dezember 2003
Für neue Mitglieder: Es wird empfohlen,
am Anfang des Archivs oder bei der Erklärung der Meditationstechnik zu
beginnen, da die Kenntnis vorheriger Lektionen Voraussetzung für das
Verständnis dieser Lektion ist. Die erste Lektion ist die
Lektion 10 „Warum diese Erörterung?". Die
Meditationstechnik wird in Lektion 13 "Meditation -
Wecken der ruhenden Saat" eingeführt.
Wir befinden uns in einem kleinen Dilemma. Es hat mit
der Dimension Zeit zu tun. Wir sind nun von der Erörterung her bereit,
auf die nächste Ebene fortgeschrittener Yoga-Übungen weiterzugehen.
Die Frage ist nur: bist du bereit?
„Ja“, sagst du: „ich möchte darüber etwas lesen.“
Das Dilemma liegt nicht so sehr im Lesen. Es bezieht sich auf die
Anwendung des Wissens, welches durch Lesen erworbenen wird, wie man
damit zurechtkommt.
Die Lektionen, welche hier niedergeschrieben werden, sind das Ergebnis
jahrzehntelanger Erfahrung im Yoga. Es wird ungefähr sechs Monate
dauern, dir eingehend zu beschreiben, wie man die wichtigsten
fortgeschrittenen Yoga-Übungen praktiziert und was deren Wirkungen sein
werden. Sobald das Schreiben einmal abgeschlossen ist, wirst du in der
Lage sein, das alles in nur wenigen Tagen durchzulesen. Aber
offensichtlich wäre es für dich nicht ratsam, mit all den
fortgeschrittenen Yoga-Übungen in der Zeitspanne zu beginnen, welche
du brauchst, um das darüber Gesagte zu lesen. Das wäre überhaupt nicht
möglich. Jede Stufe der Übung benötigt eine beträchtliche Zeitperiode
der Akklimatisierung, bevor mit der nächsten Stufe erfolgreich
begonnen werden kann. Wenn man versucht zu rennen, bevor man genügend
im Gehen geübt ist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man mit dem
Gesicht auf dem Boden aufschlägt. Das gleiche gilt auch, wenn man die
fortgeschrittenen Yoga-Übungen erlernt. Ein allmählicher Aufbau ist
kein Luxus – er ist eine Notwendigkeit.
Darin besteht also das Dilemma: Wo du nun im Vorfeld all die
wirkungsvollen Informationen erhalten hast, wie willst du darauf in
geeignetem Maße deine Übungen zeitgestaffelt aufbauen? Es geht also
darum, herauszufinden, wie dein eigener Zeitplan aussehen muss, damit
er möglichst gut auf deine eigenen Bedürfnisse und Erfordernisse
abgestimmt ist, so dass du alles methodisch aufbaust und besonders
darauf achtest, nicht zu viel Neues gleichzeitig anzufangen. Jeder
Mensch ist verschieden und hat eine nur für ihn gültige Fähigkeit sich
neue Übungen zu Eigen zu machen. Du wirst deine eigene Geschwindigkeit
finden müssen, deinen eigenen Zeitplan, der dir hilft, voranzukommen
und dabei in deinen Bemühungen stetig zu bleiben.
Bisher bestand die Herausforderung darin, das richtige Wissen irgendwo
ausfindig zu machen. Hier besteht die Herausforderung darin, das
vorhandene Wissen in dem Maße anzuwenden, wie du dazu inspiriert bist
– ohne zu übertreiben und dann nur angewidert zu werden.
In alten Zeiten galt, es sei besser, kraftvolle spirituelle Techniken
ganze Lebensspannen zu spät zu erhalten, als eine Minute zu früh.
Übungen wurden sparsam über eine lange Zeitperiode hinweg auf
individueller Basis herausgegeben. Das passt aber kaum mehr in die
moderne, schnelllebige Zeit, dem Zeitalter der Masseninformation, in
dem wir heute leben und in dem in vielen Bereichen neue
Wissensanwendungen ältere alle paar Jahre ersetzen.
Es ist heute notwendig die Weitergabe vom Wissen über die
fortgeschrittenen Yoga-Übungen und dessen Integration in die
Gesellschaft zu beschleunigen. Das muss vereinfacht und sollte so
kodifiziert werden, dass es in das Zentrum unseres wissenschaftlichen
Zeitalters rücken kann. Es muss den Leuten ausgehändigt werden und die
Leute haben selbst zu entscheiden, wie es angewandt werden soll, damit
die positiven Auswirkungen für die gegenwärtige und zukünftige
Generationen zum Tragen kommen. Das muss geschehen, sonst werden die
Methoden der Verbreitung so weiter bestehen, wie sie in den dunklen
Zeitaltern vorherrschend waren und nur wenige werden daraus einen
Nutzen ziehen können. Die Welt kann es sich nicht mehr länger leisten,
ohne effektive und frei zugängliche Methoden zur Entfaltung der
inneren Natur des Menschen dazustehen.
Es gibt diejenigen, die sagen: „Werft eure Perlen nicht den Schweinen
vor.“ Vor zwei Tausend Jahren mag das ein guter Ratschlag für
diejenigen gewesen sein, die spirituelles Wissen besaßen. Wären sie
damals so freigebig mit ihrem Wissen umgegangen, wären sie
wahrscheinlich früher oder später von einem verärgerten, abergläubigen
Mob angegriffen und bald danach hingerichtet worden.
Heute brauchen wir einen offeneren Zugang. Wir sind in einer wichtigen
Übergangsphase der Geschichte. Können wir weiterhin dabei sitzen und
zuschauen, wenn das Menschengeschlecht wie ein Mob, wie Schweine das
Wissen scheinbar nicht verdient, das es transformieren würde? Nein.
Die Menschheit ist mehr als das und verdient die Mittel zu besitzen,
die es ihr erlauben, ihre wahre Natur zu erfahren. Es ist Zeit für
eine Veränderung.
Wir stehen am Rande eines einschneidenden Wandels im menschlichen
Bewusstsein. Die Folgen davon gehen über die der Erkenntnis des 16.
Jahrhunderts, dass die Erde rund und nicht flach ist und dass sich die
Sonne und nicht die Erde im Zentrum des Sonnensystems befindet,
hinaus. Dass im Inneren des menschlichen Wesens das Zentrum von
göttlicher Erfahrung, von Gott und der Wahrheit liegt, ist die
Erkenntnis, die sich in der Gegenwart immer mehr durchsetzt. Nirgendwo
anders ist Gott zu finden. Äußere Erfahrungen, ob sie als göttlich
erscheinen oder nicht, sind nur Spiegel der inneren Erfahrungen des
menschlichen Wesens. Jedes menschliche Wesen ist ein Fenster, eine
Pforte von dieser Welt in die Unendlichkeit und von der Unendlichkeit
in diese Welt.
Diese Lektionen vermitteln dir die wichtigsten Werkzeuge zur
Transformation des Menschen, die Mittel, mit denen du die Pforte in
dir öffnen kannst. Die Entscheidung, welche Übungen du machen willst
und welche gut für dich sind, musst du selbst treffen. Es ist hier
nicht anders als überall, wo Wissen angewandt werden soll. Wir
verstehen vollkommen, dass wir lernen müssen, leistungsfähige
Technologien weise und nutzbringend einzusetzen – Autos,
Haushaltsmaschinen, moderne Medizin, Elektrizität, die unbegrenzten
Informationen des Internets… In relativ kurzer Zeit lernen wir, diese
Dinge effektiv zu gebrauchen. Dies hier ist eine Gebrauchsanleitung
für fortgeschrittene Yoga-Übungen. Übende, die klug an die Sache
herangehen, werden wissen, was damit anzufangen ist. Die anderen
werden diese Gelegenheit vorübergehen lassen und es wird in ihnen eine
Weile in der Stille weiter gären. Das ist aber auch ein Teil des
Erweckungsprozesses.
Das Wissen ist da und ich schlage vor, dass du dich damit
beschäftigst. Aber fange nicht mit allem, was hier angeboten wird,
gleichzeitig an. Nimm nur einen Schritt auf einmal. Versichere dich,
dass du gut mit einer Übung zurecht kommst, bevor du die nächste
hinzunimmst. Je mehr es uns gelingt unsere Übungen zu einer angenehmen
Routine werden zu lassen, desto leichter wird es uns fallen, etwas
Neues hinzuzunehmen. Das braucht aber Zeit.
Wir haben bereits das kreuzbeinige Sitzen in unsere
Meditationsroutine integriert. Hast du damit bereits gute Fortschritte
gemacht? Wir werden nun ein weiteres Pferd vor den Wagen unserer Reise
spannen – Pranayama. Pranayama wird sich zu einer komplexen Übung mit weit reichenden Auswirkungen entwickeln. Wir werden das mit einfachen
logischen Schritten aufbauen. Trotzdem wird es für dich aber zu viel
sein, Pranayama in deine Routine aufzunehmen, wenn du in deiner
Meditationspraxis noch unausgeglichen und noch dabei bist, die
kreuzbeinige Sitzhaltung einzugewöhnen. Das ist dann viel zu viel.
Warte also in diesem Fall, bis du in deiner Meditation dauerhaft
geworden bist und mit den gekreuzten Beinen relativ angenehm sitzen
kannst. Vielleicht gehörst du auch zu denjenigen, welche die
kreuzbeinige Sitzhaltung ganz weglassen. Das wäre auch in Ordnung.
Achte aber dennoch darauf, dass du dich in deiner Meditation wohl
fühlst und zu einer gleich bleibenden Routine gefunden hast, bevor du
mit Pranayama anfängst.
Diese Mahnung, in langsamen Schritten voranzugehen, wird wieder und
wieder wiederholt werden, da wir ja auf sehr wenigen Seiten durch
Äonen von gewaltigem spirituellem Wissen schreiten, das dazu entworfen
wurde, deine inneren Türen zu öffnen.
Der Zwiespalt, der im Timing liegt, wird sich auflösen, wenn du der
Kraft und Besonderheit dieses Wissens Achtung entgegen bringst und es
verantwortungsvoll in deinem Leben anwendest. Es ist empfehlenswert,
dass du vor allem auf regel- und gleichmäßiges Üben Wert legst.
Überlege immer sorgfältig, bevor du eine neue Übung hinzunimmst. Wenn
du es übertreibst und Unausgeglichenheit fühlst, geh zu der
Übungsweise zurück, in der du dich zum letzten Mal in Ausgeglichenheit
befandst. Dort kannst du dich neu gruppieren und dir mit der
Entscheidung, wie du am besten vorwärts gehst, Zeit lassen.
Meditation ist die Hauptübung. Mit ihr alleine kommst du schon weit.
Alles andere, was dazu kommt, ist so gestaltet, dass es diesen
Meditationsprozess anreichert und den Fluss von reinem
Glückseligkeitsbewusstseins durch deinen Körper und in die Umgebung
fördert. Wenn du nur an Meditation interessiert bist, wird das auch
ausreichend sein. Wenn dich mehr interessiert, wirst du hier sehr
vieles finden.
Der Guru ist in Dir.
Anmerkung: Detaillierte
Anweisungen finden sich in dem
Buch "Tiefe Meditation" aus dem FYÜ-Verlag.
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