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Lektion 59 – F&A – Ein paar Einzelheiten zu Mantren

 

Autor: Yogani
30. Dezember 2003

  
Für neue Mitglieder: Es wird empfohlen, am Anfang des Archivs oder bei der Erklärung der Meditationstechnik zu beginnen, da die Kenntnis vorheriger Lektionen Voraussetzung für das Verständnis dieser Lektion ist. Die erste Lektion ist die Lektion 10 „Warum diese Erörterung?". Die Meditationstechnik wird in Lektion 13 "Meditation - Wecken der ruhenden Saat" eingeführt.

 

Frage: Ich habe einige Fragen zum „I AM“ (AYAM) Mantra. Was ist, wenn ich für die Meditation von jemand anders ein Mantra bekommen habe? Hat „I AM“ (AYAM) den gleichen Effekt wie „Om“? Kann ich „I AM“ (AYAM) zum Chanten benutzen? Kann ich es während des Tages beim Arbeiten benutzen? Kann ich es benutzen, wenn ich nachts Schlafen gehe? Du hast gesagt: benutze „I AM“ (AYAM) nicht während Pranayama. Was ist, wenn man ein Mantra wie So-Ham mit dem Atem während Pranayama benutzt? Außer morgens und abends, kann ich auch mittags meditieren und „I AM“ (AYAM) als Mantra benutzen?

Antwort: Wenn du einer anderen Lehre oder Tradition folgst und es gut funktioniert, behalte das bei. Das bezieht sich auch auf jedes andere Mantra, das dir gegeben worden ist. In solch einem Fall betrachte diese Lektionen lediglich als „Gedankennahrung“. Es besteht hier kein Interesse daran, mit existierenden Übungssystemen in Konkurrenz zu treten. Diese Lektionen wurden als „offenes System“ integrierter spiritueller Übungen entworfen und veröffentlicht, auf die von jedem im gewünschten Maß zugegriffen werden soll. Anfänger können ganz Vorne bei Lektion 10 beginnen und sich Schritt für Schritt durch alle Lektionen arbeiten. Erfahrene Übende können dort aufschlagen, wo sie wollen und sich ein paar Winke herauspicken – oder so in der Art.

Wenn du dich dazu entschlossen hast, diese Lektionen als deine hauptsächliche Quelle für deine Übungspraxis zu verwenden, dann wäre es das Beste, wenn du alle anderen Praktiken, die sich mit solchen von hier überschneiden, aufgibst und genau den Anweisungen in den Lektionen folgst. Ein Mensch kann nur eine bestimmte Anzahl von Dingen zur selben Zeit ausführen. Du siehst, dass es hier genügend Übungen gibt, die zu verdauen sind. Wir werden noch sehr viel mehr fortgeschrittene Yoga-Übungen einführen. Sieh zu, dass es so einfach wie möglich für dich bleibt und nimm nur einen Schritt auf einmal. Wenn das deine eigentliche Quelle für Übungen ist, dann wirst du mehr als genug zu tun haben. Wir werden den ganzen Acker umpflügen.

Das I AM-Mantra hat Ähnlichkeit mit dem Om-Mantra, aber sie sind nicht exakt gleich. Deshalb sind auch die Auswirkungen etwas unterschiedlich. „I AM“ enthält sowohl lineare als auch zirkuläre Eigenschaften, während „Om“ nur zirkulär ist. „I“ ist die lineare Eigenschaft in „I AM“, „AM“ ist die zirkuläre Eigenschaft in „I AM“. Du erkennst also, dass „I AM“ noch etwas extra hat. Was ist das, was da noch dhinzukommt? Es ist eine Polarität. Von „OM“ ist bekannt, dass es der Ton von Kundalini ist, der sich durch den Körper bewegt. Das Nervensystem wird durch die sexuellen Essenzen, welche weiter nach oben zirkulieren, belebt und eine neue Biologie stellt sich ein. Viele können das hören. Om ist der Klang der Mutter Natur in uns und sie ist ekstatische Glückseligkeit. Ahhh….

Om ist die Mutter. Doch wo ist der Vater? Wenn wir erleuchtet werden, tritt in uns eine göttliche Romanze auf, ein Zusammenschluss. In dem „I AM“-Mantra ist „I“ die väterliche Schwingung und „AM“ die mütterliche Schwingung. Erinnere dich daran, dass Yoga „sich vereinigen“ bedeutet. Dies geschieht auf vielen Ebenen und auf vielen Wegen. In der Meditation veredeln wir die Schwingungen des Mantras jeden Tag zu Stille, zu Ruhe, zu reinem Glückseligkeitsbewusstsein, immer und immer wieder. Indem wir „I AM“ als Mantra benutzen, kultivieren wir reines Glückseligkeitsbewusstsein vollkommen durch das Nervensystem, indem wir die natürliche Polarität, die in uns existiert, durchdringen. Wir beleben zur selben Zeit sowohl göttlich männliche als auch göttlich weibliche Eigenschaften in uns. Das hat einen direkten Einfluss auf die Dynamik im Wirbelsäulennerv und auf die Dynamik der Kundalini. Mehr dazu später. Wichtig ist hier zu verstehen, dass „I AM“ einige besondere Eigenschaften hat. Das mag hier alles etwas theoretisch klingen, aber es wird mit der Zeit durch Erfahrung begreifbar. Wenn deine Erfahrungen zunehmen, wirst du erkennen, dass die Schwingungseigenschaft des Mantras eine direkte Beziehung zur inneren ekstatischen Erfahrungen hat, die eine Auflösung von Polaritäten bewirkt, welche in unserem Nervensystem vorhanden sind. Es ist ein komplexer aber automatischer Prozess, den wir durch unsere täglichen Übungen in Gang setzen.

Sei weiter darauf bedacht, in deinen Übungen entspannt und ungezwungen zu sein. All die Theorie spielt im Vergleich zu dem einfachen Prozess der Meditation keine Rolle. Vergiss die Bedeutungen, wenn du meditierst. Wenn all diese Bedeutungen in der Meditation aufsteigen, behandle sie genauso wie all die anderen Gedanken. Gehe ganz locker zum Mantra zurück. Meditiere nur jeden Tag und alles wird sich ganz natürlich einstellen. Mit der Zeit wirst du im Inneren erfahren, was hier angedeutet wurde.

Ich empfehle, dass du das „I AM“ nicht chantest, wenn du es in deiner täglichen Meditation benutzt. Der Grund dafür ist, dass wir das Mantra verwenden, um in die Stille des Verstandes und des Körpers zu gelangen. Chanten ist eine äußere Aktivität. Wir wollen aber die Gewohnheit formen, mit dem Mantra nach Innen zu gehen. Es wird eine Zeit kommen, da wirst du das Mantra nur einmal chanten und du wirst dich in reinem Glückseligkeitsbewusstsein befinden. Dein Nervensystem wird daran gewöhnt mir nichts dir nichts in den meditativen Zustand einzutauchen – eine wunderbare Fähigkeit in dieser hektischen Welt. Wenn du das Chanten liebst, suche dir etwas anderes für diesen Zweck. Das Chanten hat seine eigenen Vorteile und ist etwas Wundervolles – besonders in Gruppen. Halte daran fest mit dem „I AM“ Mantra mittels des einfachen aber kraftvollen Verfahrens der Meditation nach Innen zu gehen. Falls du das „I AM“ Mantra zur Bettzeit, wenn du Schlafen gehst, benutzen willst, ist das in Ordnung, aber halte es im Inneren. Denke daran, dass das für manche Menschen sehr stimulierend sein kann, besonders, wenn wir Kundalini weiter erwecken. Das kann dich also wach halten. Natürlich ist es okay „I AM“ (Ich bin) in normalen Gesprächen zu benutzen. Das ist gut. Das spielt sich auf der Bedeutungsebene ab. Meditation geht über die wörtliche Bedeutung hinaus zu Ebenen innerer Verfeinerung der Schwingung von Gedanken, wo sich viel mehr Kraft befindet.

Das Mantra am Tage, während man beschäftigt ist, zu denken, ist nicht empfehlenswert. Wenn du in der Welt bist, sei in der Welt. Wenn du dich in Meditation befindest, sei in Meditation. Dein Beschäftigtsein wird das reine Glückseligkeitsbewusstsein in deinem Nervensystem festigen. Das wird ganz natürlich geschehen, wenn du zweimal am Tag meditierst. Halte im Allgemeinen Meditation und Tätigsein getrennt. Beide haben ihren Zweck. In gleicher Weise benutzen wir auch das Mantra nicht mit Absicht, wenn wir Pranayama üben und vice versa.

Der Grund, warum wir das Mantra beim Pranayama nicht benutzten, ist, dass wir dabei sind, bereits viele andere auf die Wirbelsäulenatmung bezogene Übungen zu Gewohnheiten auszubauen. Das Atmen durch die Wirbelsäule ist eine fortgeschrittene Technik und wird noch fortgeschrittener, wenn wir noch andere Dinge, die wir beim Pranayama ausüben, hinzufügen. Es gibt Mantras für das Atmen, wie So-Ham, welches Leute während des Pranayamas anwenden. Das ist als Anfängerübung ausgezeichnet, wenn die Aufmerksamkeit nicht die Wirbelsäule nach oben und unten geht und auch die anderen Gewohnheiten, welche für fortgeschrittene Yoga-Übungen notwendig sind, nicht ausgebildet werden. Weil wir in diesen Lektionen mit der Wirbelsäulenatmung beginnen, setzten wir die Anfängerübung mit dem Atemmantra aus. Statt dessen machen wir das Pranayama zuerst und als zweites die Meditation. In diesen Lektionen machen wir nicht beides zur selben Zeit.

Zweimal täglich ist der Standard für die Meditation. Wenn Morgen und später Nachmittag für dich besser ist als Morgen und früher Abend, dann mache das. Wenn du herauskommst, ruhe dich gut aus, so dass du reibungslos zum Tätigsein zurückkehren kannst. Meditation dreimal am Tag, kann dazu führen, dass du gereizt wirst. Am Wochenende oder in den Ferien, wenn du keine Verpflichtungen hast, kannst du es einmal für ein oder zwei Tage mit drei Meditationen am Tag versuchen. Aber bleibe dir bewusst, dass du eine gewaltige Übung benutzt, welche Blockaden/Unreinheiten in deinem Nervensystem beseitigt. Wenn sie zu schnell herauskommen, kann das unangenehm werden. Deshalb ruhen wir nach der Meditation und werden dann aktiv, um das reine Glückseligkeitsbewusstsein in uns zu stabilisieren. Finde dein stabiles Muster und mache daraus eine Routine. Bei regelmäßiger Übung über die Zeit hinweg macht man Fortschritte. Kurzes intensives Praktizieren für hier einen Tag und dann mal wieder einen Tag hat wenig Auswirkung. Was du tagtäglich über Monate oder Jahre hinweg tust, wird ausschlaggebend sein. Dann wird sich die Stille reinen Glückseligkeitsbewusstseins in dir breit machen und jeden Teil deines Lebens durchdringen.

Der Guru ist in dir.

 

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