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Lektion 91 – Yoni Mudra Kumbhaka – Reinigung des dritten
Auges und vieles mehr
Autor: Yogani
19. Januar 2004
Für neue Mitglieder: Es wird empfohlen, am
Anfang des Archivs oder bei der Erklärung der Meditationstechnik zu
beginnen, da die Kenntnis vorheriger Lektionen Voraussetzung für das
Verständnis dieser Lektion ist. Die erste Lektion ist die
Lektion 10 „Warum diese Erörterung?". Die Meditationstechnik wird in
Lektion 13 "Meditation - Wecken der ruhenden Saat"
eingeführt.
Nun, da wir alle bezüglich direkter Stimulation und Erweckung der eigenen
Kundalini-Energie sensibilisiert sind, werden wir uns gleich mit dem
Großvater aller Kundalini-Stimulatoren – Kumbhaka (Atemanhalten) im
Zusammenspiel mit einer ganzen Reihe von Bandhas und Mudras – vertraut
machen. Warum nicht? Sobald du dazu bereit bist, wirst du nicht mehr lange
danach suchen müssen. Zur rechten Zeit wird es da sein und bis das so weit
ist, hoffe ich, dass du weise bist und die Übungen nicht übertrieben
anwendest.
Wir werden uns Kumbhaka im Rahmen einer Übung namens „Yoni Mudra“ – was so
viel wie „Siegel der Göttin heißt“ – nähern. Du kannst „Göttin“ durch
jeden Namen einer weiblichen Gottheit, der dir zusagt, austauschen. Wir
wissen alle, wer sie ist, auch wenn sie verschiedene Namen trägt.
Bevor wir mit Yoni Mudra beginnen, erinnere dich daran, dass genau die
gleichen Regeln der Vorsicht gelten, wie zu Beginn der
Lektion 75 bei der Vorstellung von Siddhasana ausgeführt wurde. Du
solltest ziemlich gefestigt in all deinen Übungen sein und keine inneren
Energie-Ungleichgewichte während deiner alltäglichen Aktivitäten erleben.
Du wirst sehen, dass vieles von dem, was wir bisher schon hier gemacht
haben, ein Teil der erweiterten Ausgestaltung von Yoni Mudra ist, wie wir
das an dieser Stelle erörtern. Wir stellen eine Gruppe von Übungen zu
einem Ganzen zusammen, so dass daraus etwas entsteht, das mehr als die
Summe ihrer Teile ist. Dies wird es unserem Nervensystem erlauben, sich
schneller zu einer umfassenden und ganzheitlichen Ausgestaltung seines
natürlichen Funktionierens hinsichtlich des Fließens reinen
Glückseligkeitsbewusstsein und göttlicher Ekstase in unserem Inneren zu
entwickeln.
Zuerst muss jedoch eine besondere Warnung ausgesprochen werden. Wir halten
hier unseren Atem an und fügen ein wenig leichten und gezielten Druck im
Inneren unseres Körpers hinzu. Doch es wird nichts Extremes empfohlen –
auf keinen Fall mehr, als was dem Sprung in ein Schwimmbecken und dem
freiwilligen und kurzzeitigen Anhalten unseres Atems dabei entspricht.
Falls bei dir ein Herzleiden vorliegt, du Atemprobleme, Bluthochdruck oder
irgendwelche anderen Leiden hast, die durch das Anhalten des Atems
verschlimmert werden könnten, dann lass entweder diese fortgeschrittene
Yoga-Übung aus oder hole dir erst von deinem Arzt die Erlaubnis, bevor du
damit anfängst. Mit anderen Worten, wenn du weißt, dass dein Arzt dem
Anhalten deines Atems und dem Tauchen in einem Schwimmbecken nicht
zustimmen würde, dann solltest du die Hände von Yoni Mudra lassen.
Sicherheit ist das erste Gebot.
Die Übung von Yoni Mudra, wie wir sie hier erörtern, ist so optimiert,
dass sie die gesamte Sushumna abdeckt, indem wir gleichzeitig noch mehrere
andere Übungen hinzufügen.
Sie wird am Ende der Wirbelsäulenatmung und vor der Meditation ausgeführt,
unmittelbar zwischen diesen beiden uns schon gut vertrauten Übungen.
Beginnen wir also, indem wir uns so wie beim Pranayama hinsetzen. Das
heißt, dass wir uns in die Variante von Siddhasana setzen, die wir für uns
gewählt haben. Wir sind am Ende der Wirbelsäulenatmung, wenn wir Yoni
Mudra Kumbhaka machen und sind also für die festgesetzte Zeit im Inneren
unseres Wirbelsäulennervs bei der Einatmung hinauf und bei der Ausatmung
hinuntergegangen.
Um nun in den Yoni Mudra Abschnitt überzugehen, beginnen wir damit, die
Spitzen unserer beiden Zeigefinger nahe der äußeren Ecken unserer
geschlossenen Augen gegen die unteren Lieder zu legen. Dann drücken wir
die Augen sanft nach oben und zum Zentrum in Richtung des Punktes zwischen
den Augenbrauen. Das sollte ohne irgendwelche Anstrengung oder
Unbequemlichkeit durchgeführt werden. Es ist nur ein sanftes Anstoßen der
Augen in Richtung des Punktes zwischen den Augenbrauen. Sollten die
Fingernägel deiner Zeigefinger lang sein, dann musst du sie für diesen
Teil von Yoni Mudra etwas schneiden.
Jetzt, da unsere geschlossenen Augen auf diese Weise auf das dritte Auge
ausgerichtet sind, gehen wir im inneren des Wirbelsäulennervs mit unserer
Einatmung vom Perineum zum Punkt zwischen den Augenbrauen hoch. Sobald
unsere Lungen gefüllt sind und unsere Aufmerksamkeit sich am oberen Ende
des Wirbelsäulennervs befindet, schließen wir unsere Nasenlöcher von außen
mit unseren beiden von beiden Seiten der Nase drückenden Mittelfinger.
Gleichzeitig behalten wir die Zeigefinger an Ort und Stelle, wo sie die
Augen sanft in Richtung des Punkts zwischen den Augenbrauen drücken.
Gleichzeitig heben wir auch unsere Zunge zur Decke unseres Mundes und
versiegeln den Mund im Inneren, so dass keine Luft durch ihn entweichen
kann. Jetzt halten wir unseren Atem an. Aber wir halten ihn nicht mit dem
Kehldeckel in unserem Hals, wie wir das normalerweise tun würden. Statt
dessen erlauben wir dem Luftdruck aus unseren ausgedehnten Lungen
ungehindert in unsere Nasenöffnungen und -nebenhöhlen zu wirken. Das ist
kein starker Druck, nur ein geringer. Wir drücken die Luft dort nicht
herauf. Wir lassen nur den natürlichen Druck unserer angefüllten Lungen
dorthin gehen. Unsere Mittelfinger und die Zunge schließen die Nase und
den Mund ab, so dass keine Luft entweichen kann.
Versuche das mal und sieh, wie es funktioniert. Ziemlich einfach, nicht
wahr?
Nun halten wir unseren Atem für eine angenehme Zeitspanne – nicht zu lang
und nicht zu kurz. Abhängig von Deinem Vermögen könnten das dreißig
Sekunden, eine Minute oder vielleicht sogar länger sein. Bist du ein
professioneller Schwammtaucher, können es mehrere Minuten werden. Es ist
nicht so wichtig, wie lange das genau ist. Wichtig ist aber, dass wir
unseren Atem im Inneren eine Zeit lang so anhalten, dass es sowohl
angenehm ist als auch ein bisschen an den Rand unserer Fähigkeit reicht –
aber nicht so weit, dass es zu einer Anstrengung wird. Auch nicht bis
dahin, dass wir nach Luft schnappen, sobald wir aufhören. Sind wir bereit
zum Ausatmen, lassen wir unsere Mittelfinger von den Nasenlöchern los -
jedoch nicht die Zeigefinger von unseren Augen oder unsere nach oben
gehaltene Zunge. Wir sollten genügend Fassung für eine beherrscht sanfte
Ausatmung durch unsere Nase übrig haben, während wir mit unserer
Aufmerksamkeit zurück, den Wirbelsäulennerv bis hinunter zum Perineum
gehen. Beim Ausatmen sollten wir nicht verzweifelt nach Luft ringen. Wir
können aber etwas schneller als bei der normalen Wirbelsäulenatmung atmen,
sowohl beim Ein- als auch beim Ausatmen. Falls wir jedoch in großer Eile
nach Luft aus sind, haben wir unseren Atem zu lang angehalten. Da musst Du
einen gesunden Mittelweg finden. Auch dies wird zunächst etwas klobig
verlaufen, wie bei all diesen fortgeschrittenen Yoga-Übungen. Indes wird
es sich bald zu einer angenehmen Übung einspielen. Das Ziel ist, eine
herrliche Zeit mit dem im Inneren angehaltenen Atem zu verbringen. Es
sollte nicht in eine Übung zur Heldenhaftigkeit ausarten.
Zu Beginn werden wir nur drei dieser Yoni Mudra Kumbhakas zwischen
Pranayama und Meditation ausführen. Damit sind es nur ein paar Minuten,
die wir zwischen unsere Übungen von Pranayama und Meditation hinzufügen.
Aber zu Yoni Mudra Kumbhaka gehört mehr, als wir gerade erwähnt haben. Es
gibt noch eine Reihe von Dingen, die wir im Bestreben die besten
Ergebnisse zu erzielen während unseres Kumbhakas mitmachen wollen. Gehen
wir also noch etwas weiter ins Detail.
Sind wir gerade mit der Wirbelsäulenatmung fertig geworden, haben wir
bereits Mulabandha und Sambhavi ausgeführt, wie auch das Sitzen in
Siddhasana. In Yoni Mudra Kumbhaka behalten wir Mulabandha bei. Sambhavi
ist während Yoni Mudra etwas modifiziert, weil wir die Augen mit unseren
Zeigefingern in die Richtung des Punkts zwischen den Augenbrauen anstoßen.
Da unsere Zeigefinger das übernehmen, lassen wir den Teil von Sambhavi, wo
es um das Heben und Zentrieren geht, weg. Wir machen aber mit dem Runzeln
der Stirn weiter, indem wir sanft die Augenbrauen gegen das Zentrum
zusammenbringen. So ist also Sambhavi in Yoni Mudra eine Kombination aus
Anheben und Zentrieren der Augen mit den Zeigefingern und sanftem
Zusammenziehen der Augenbrauen mit den Kopfmuskeln. Außerdem ruht unsere
Aufmerksamkeit während Yoni Mudra Kumbhaka die ganze Zeit des
Atemanhaltens, bis wir den Wirbelsäulennerv bei der Ausatmung wieder
hinunterwandern auf dem Punkt zwischen den Augenbrauen. Es kann
tatsächlich sein, dass wir merken, wie unsere Aufmerksamkeit bei Yoni
Mudra Kumbhaka vor den Punkt zwischen den Augenbrauen nach Außen gezogen
wird. Das ist etwas Natürliches. Sobald der Wirbelsäulennerv beginnt, ein
wenig ekstatisch leitfähig zu werden, wird es ziemlich angenehm Sambhavi
auszuführen. Das Drücken der Augen mit den Fingern in Richtung des Punkts
zwischen den Augenbrauen während des Zusammenziehens der Augenbrauen bei
Yoni Mudra, kann – bei ansteigender ekstatischer Leitfähigkeit im
Wirbelsäulennerv – den ganzen Körper mit Wohlgefühl anfüllen. („Ist dein
Auge einzig, wird dein Körper mit Licht erfüllt sein.“)* Das Wohlgefühl
vergrößert sich auf natürliche Weise, wenn die Aufmerksamkeit über den
Punkt zwischen den Augenbrauen hinausgeht. Da ist etwas außerhalb des
Körpers, das uns zur Ekstase ruft. Wir entdecken, dass die Sushumna
weitergeht und es ist in Ordnung, dort hinzugehen, wenn wir
natürlicherweise davon angezogen werden. Was werden wir dort entdecken?
Oh, wir werden das herausfinden. Es ist alles gut. Wenn diese Verlängerung
der Sushumna auftritt, ist es okay unsere Aufmerksamkeit auch während
unserer normalen Wirbelsäulenatmung die volle Strecke davon nach vorne
hinaus gehen zu lassen. Das ist eine natürliche Weiterentwicklung der
Sushumna und der Wirbelsäulenatmung. Sie wird während Yoni Mudra gefördert
und ist nur eine der vielen Erträge der fortgeschrittenen Yoga-Praxis.
Das Manöver mit der zur Decke des Mundes gehenden Zunge ist das
Anfangsstadium einer „Kechari Mudra“ genannten fortgeschrittenen
Yoga-Übung. Die Zunge spielt beim Voranschreiten unserer Praxis eine sehr
wichtige Rolle. Hier wollen wir erst mal nur auf eine angenehme Weise den
Weg für die Luft abriegeln, damit sie während Yoni Mudra nicht durch den
Mund entweicht. Das kann vielleicht bedeuten, dass unsere Zungenspitze
hinter unsere Schneidezähne oder möglicherweise weiter zurück gesetzt
wird. Falls wir auf angenehme Weise die Stelle des Aufeinandertreffens von
hartem und weichem Gaumen an der Decke des Mundraumes erreichen, ist das
ein guter Ort für das Parken der Zungenspitze. Sie muss aber nicht dort
sein. Wir wollen das, was immer im Augenblick am behaglichsten
funktioniert. In den zukünftigen Lektionen wird viel mehr zu Kechari
gesagt.
Es gibt noch zwei weiter Bestandteile, die wir zu Yoni Mudra gerne
hinzufügen würden. Zuerst „Jalandhara Bandha“, was so viel wie
„Kinnverschluss“ heißt. Wir wählen dafür einen weniger strengen Ansatz,
als durch die Bezeichnung angedeutet ist. Während des Atemanhaltens in
Yoni Mudra Kumbhaka lassen wir – nur so weit das angenehm ist – den Kopf
zur Brust herunter sinken. Während des Ein- und Ausatmens heben wir ihn
wieder an. Das ist alles. Wir lassen den Kopf während des Atemanhaltens
nur nach unten hängen und unsere Finger an den Augen und der Nase bleiben
beim Nach-Unten-Sinken des Kopfes, wo wir sie hingesetzt haben. Kommt
unser Kinn bequem halbwegs zur Halsgrube hinunter, ist das gut. Falls
unser Kinn ganz bis zur Halsgrube hinuntergeht, ist das der ganze
Kinnverschluss. Beides ist gut. Jalandhara dehnt den Wirbelsäulennerv im
oberen Bereich des Körpers vom Punkt zwischen den Augenbrauen aus nach
unten in die Länge. Es ist einfach, dieses Dehnen zu fühlen. Wir
strapazieren den Nerv aber nicht. Wenn etwas ekstatische Leitfähigkeit im
Wirbelsäulennerv vorhanden ist, können wir das Dehnen bis zum Perineum
hinunter fühlen. Es ist erstaunlich, wie das zu Stande kommt. Mit
Jalandhara dehnen wir die Sushumna vom dritten Auge bis zur Wurzel. Dieses
Dehnen verstärkt den Effekt von Yoni Mudra Kumbhaka außerordentlich und
fördert den Anstieg von ekstatischer Leitfähigkeit im Wirbelsäulennerv.
Später arbeiten wir noch mehr mit Jalandhara und nutzen eine dynamische
Variation davon, um damit riesige Mengen an Prana hoch zum Herzen, zur
Kehle und in den Kopf in Bewegung zu bringen. Jalandhara ist eine sehr
wichtige fortgeschrittene Yoga-Technik. Hier in Yoni Mudra führen wir eine
Anfangsform davon ein – das einfache und lockere Nach-unten-sinken-lassen
des Kopfes, während der Atem angehalten wird. Dann heben wir, wenn wir
ein- oder ausatmen, den Kopf wieder an. Wir achten darauf, dass es
behaglich bleibt.
Die andere Komponente, die wir hinzufügen, ist Uddiyana. Diese gibt es
auch in mehrere Varianten, welche wir auf unserer weiteren Reise
vollkommen ergründen werden. In diesem Stadium führen wir eine elementare
Form davon für Yoni Mudra ein. Wenn wir den Atem während Yoni Mudra
anhalten, heben wir unser Zwerchfell ein wenig und ziehen unsern Bauch
ein. Das stellt eine Verbindung zu dem vom analen Schließmuskel durch das
Becken hochkommende Mulabandha her. Beim Sitzen in Siddhasana wirkt
Uddiyana Wunder. Uddiyana, was so viel wie „auffliegen“ bedeutet, steht
mit den Vorgängen im Becken in Verbindung und befördert alles um ein
Beträchtliches nach oben. Weil wir in Yoni Mudra Kumbhaka mit Atemluft
angefüllt sind, werden wir mit dem Zwerchfell nicht sehr weit nach oben
ziehen – eben nur ein bisschen.
Du wirst fühlen, wie der Druck mittels Uddiyana durch den Körper nach oben
kommt. Übertreibe es jedoch nicht. Falls du Yogastellungen erlernt hast
(das zu tun ist sehr zu empfehlen), wirst du ohne Zweifel gelernt haben,
Uddiyana aufrecht mit ganz entleerten Lungen stehend auszuführen. Das ist
ein guter Weg, etwas damit vertraut zu werden. Mit dem Zwerchfell und den
Bauchmuskeln kann eine Menge gemacht werden. Wir werden uns später
intensiver damit beschäftigen. Für den Augenblick zieh bei Yoni Mudra
Kumbhaka nur ein bisschen nach oben. Lass locker, wenn du zwischen dem
Atemanhalten aus- und einatmest.
Bei Yoni Mudra müssen also eine Menge Dinge eingestellt werden. Das meiste
davon sind physische Gewohnheiten, die man sich leicht aneignen kann.
Beizeiten, sobald wir einmal durch die klobige Phase hindurch sind, werden
all diese Dinge zu einem ganzheitlichen Körperreflex, der automatisch
abläuft, sobald der Atem angehalten wird. Dann, wenn die ekstatische
Leitfähigkeit ansteigt, werden sich diese Manöver zu subtil abgestimmten
inneren Bewegungen verfeinern, die auf den natürlichen Fluss von
göttlicher Ekstase im Inneren reagieren. Alles was wir hier erörtert
haben, ist eine Einführung in eine neue natürliche Art der Körperfunktion.
In seiner fortgeschrittenen Form werden all diese oben besprochenen
Komponenten der Übung als eng miteinander verbunden erscheinen – als
automatische „Kleinstbewegungen“ im Körper, die unsichtbar auftreten, wenn
die Energie sich in unserem Körper Tag und Nacht bewegt. All diese
physikalischen Methoden, die wir erlernen, haben einen direkten Bezug zu
der biologisch ekstatischen Erfahrung, die im Körper hochsteigt. Obwohl
wir uns mit diesen Dingen im Moment noch in einer klobigen Phase befinden,
wirst du erstaunt sein, wie fein, geschmeidig und natürlich sie
miteinander in Verbindung treten werden. Tägliches Yoni Mudra Kumbhaka mit
dem ganzen Spektrum von Bandhas und Mudras, das allmählich hinzukommt,
verwandelt uns immer mehr in etwas wie einem gut eingestellten Ferrari. Im
Moment mag es noch nicht danach aussehen, aber das ist es, was sich da
abspielt. Yoni Mudra Kumbhaka ist ein fortgeschrittenes spirituelles
Training für unsere Biologie.
Wir werden uns Yoni Mudra Kumbhaka nur schrittweise annähern, indem wir –
wie erörtert - leicht und langsam mit drei Wiederholungen zwischen
Pranayama und Meditation beginnen. Diejenigen, die das Ausführen von Yoni
Mudra Kumbhaka gut und reibungslos beherrschen, können in Babyschritten
erweitern. Übertreibe es nicht. Kumbhaka ist die kraftvollste aller
direkten Kundalini-Stimulatoren. Wenn drei Wiederholungen gut laufen, dann
versuche vielleicht nach einem Monat auf vier zu erhöhen. Nach ein paar
weiteren Monaten, kannst du daran denken, es einmal mit fünf
Wiederholungen zu probieren – so in der Art. Beginne nicht gleich mit fünf
oder zehn, nachdem du das hier einmal gelesen hast. Ein sehr langsames
Aufbauen ist das Richtige und auch nur, wenn sonst alles mit deinen
Übungen und in deiner täglichen Beschäftigung glatt läuft.
Wir haben darüber gesprochen, wie man Yoni Mudra Kumbhaka ausführen soll,
aber nicht so viel darüber, was Yoni Mudra Kumbhaka in uns bewirkt.
Einfach ausgedrückt arbeitet es daran, jeden Winkel und jede Nische
unseres Nervensystems zu öffnen und zieht gleichzeitig Kundalini (sexuelle
Energie) nach oben. Es erzeugt ein riesiges Maß an Reinigung in unserem
Körper und kultiviert gleichermaßen die feinen Gewohnheiten eines
ekstatischen, biologischen Arbeitens in uns.
Unsere Annäherungen an das dritte Auge aus verschiedenen Winkeln führt zu
einem Reinigungseffekt am oberen Ende der Sushumna und im gesamten Kopf.
So ist also Yoni Mudra sicherlich ein Reinigungsinstrument für das dritte
Auge. Der gesamte Wirbelsäulennerv wird gedehnt und mit aus dem
Beckenbereich kommendem Prana durchtränkt. Außerdem zieht Kumbhaka eine
große Menge sexueller Energie (Kundalini) vom riesigen Pranaspeicher im
Becken nach oben, indem es einen zusätzlichen Bedarf an Lebenskraft im
Körper schafft. Siddhasana, Mulabandha und Uddiyana fördern dieses nach
oben Ziehen, das im unteren Teil des Körpers stattfindet.
Das ist ein grober Überblick über das, was geschieht. Viele andere Dinge
tun sich in unserer Biologie und im Nervensystem als Ergebnis von Yoni
Mudra Kumbhaka – viel mehr als in diesen wenigen Absätzen erörtert werden
kann. Wir werden die Details in späteren Lektionen nachtragen, sobald wir
die Erfahrungen dazu machen.
Zum Schluss sollte noch angemerkt werden, dass es sich hier um eine
optimierte Version von Yoni Mudra handelt, die darauf abzielt ein breites
Spektrum von Öffnungen im Nervensystem zu erzielen. Das traditionelle Yoni
Mudra bezieht den Gebrauch der anderen Fingern zur Versiegelung der Ohren
(Daumen) und des Mundes (Ring- und kleine Finger) und weniger als die hier
angegebenen Bandhas und Mudras ein. Was wir hier erlernen ist eine
Hybrid-Übung, die um der Effektivität willen zusammengestellt wurde. In
einigen wenigen Extraminuten während unserer zweimal täglichen
Übungssitzungen können wir allen unseren Übungen einen großen Schub
verleihen, ebenso der Erfahrung eines Anstiegs reinen
Glückseligkeitsbewusstseins und göttlicher Ekstase in unserem Leben. Aus
diesem Grund gibt es diese Art von Yoni Mudra Kumbhaka.
Der Guru ist in dir.
* Mt 6,22. So lautet die wörtliche Übersetzung aus
der lateinischen Vulgata (dem Original) und auch der King James Ausgabe
der Bibel, die der englischen Version dieser Lektion zugrunde liegt. Die
neueren Bibelübersetzungen sowohl im Englischen als auch im Deutschen
haben für das lateinische „simplex“/englisch „single“ , da man offenbar
keine sinnvolle Interpretation kennt, „klar, gesund oder gut“ stehen
(Anmerkung des Übersetzers).
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