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Lektion T39 – Prinzipien des Tantra und
Homosexualität
Autor: Yogani
13. Januar 2005
Für neue Mitglieder: Es wird empfohlen, am
Anfang des Archivs oder bei der Erklärung der Meditationstechnik zu
beginnen, da die Kenntnis vorheriger Lektionen Voraussetzung für das
Verständnis dieser Lektion ist. Die erste Lektion ist die
Lektion 10 „Warum diese Erörterung?". Die Meditationstechnik wird in
Lektion 13 "Meditation - Wecken der ruhenden Saat"
eingeführt.
Frage: Hallo, könntest Du bitte erklären, was Du unter
„destruktivem“ Verhalten verstehst, das Du bei Deiner Antwort auf die
Frage zur Pornographie und Masturbation genannt hast. Ist es die
Pornographie selbst, auf die Du Dich beziehst? Oder die obsessive
Beziehung dazu? Und was verstehst Du unter Pornographie? Außerdem beziehst
Du Dich doch wohl nicht auf die Masturbation als destruktiv, oder?
Beziehst Du Dich vielleicht eher auf die Ejakulation? Exzessive
Ejakulation?
Da ich jemand bin, der mit Negativität und Furcht gekämpft hat, die die
sexuelle Energie und Ausdrucksweise umgibt, machen diese Bemerkungen einen
tiefen Eindruck auf mich. Ich würde es sehr schätzen, könnte ich Deine
Ansicht zu diesen Themen noch vollständiger erfahren.
Außerdem bin ich auf keine besondere Erwähnung von Homosexualität in
diesen Schriften gestoßen. Was denkst Du über Homosexualität in Bezug auf
diese Übungen?
Danke für Deine Hilfe und Zeit.
Antwort: Vom Standpunkt des Yoga ist ein destruktives Verhalten
eines, welches das Nervensystem schwächt, das ihm physische und karmische
Blockierungen zufügt. Dies ist dem Ziel des Yoga entgegengerichtet, das
darauf hinarbeitet unser Nervensystem zu stärken und zu reinigen, so dass
innere Stille, göttliche Ekstase und ausströmende Liebe schrittweise mehr
ein Teil unseres täglichen Lebens wird.
Bei FYÜ gibt es nicht viel moralische Beurteilung des Verhaltens – außer,
dass jeder ermuntert wird, die Gesetze des jeweiligen Landes zu achten und
niemanden zu verletzen. Die Haupteinflussnahme auf das Verhalten in FYÜ
sind die Übungen selbst. Mit täglicher tiefer Meditation,
Wirbelsäulenatmung und anderen fortgeschrittenen Yoga-Übungen (tantrische
Methoden eingeschlossen) wird das Verhalten aufgrund des
Miteinander-in-Verbindung-Stehens von Yoga in unserem Nervensystem
automatisch langsam auf die lichte Seite hinüberwechseln. Ist der Wunsch
da (das göttliche Rühren in uns) dann kann man mit täglichen Übungen
anfangen und sie aufrechterhalten. Sogar nur wenig Meditation kann einen
Berg von Blockierungen in uns bewegen. Wir wollen die Berge beseitigen und
sie nicht größer machen. Das ist logisch, oder?
Ist wegen eines hartnäckigen obsessiven Verhaltens oder Abhängigkeit
zusätzliche Hilfe nötig, dann empfehlen wir die Anwendung eines
Zwölf-Schritte-Programms. Siehe dazu die vorhergende
Lektion T38 und die Links zum „Zwölf-Schritte-Programm“.
Pornographie selbst spielt sich nur in der Vorstellung ab. Sie ist für die
sexuelle Stimulation entworfen und für nichts anderes. Dasselbe mag ein
provokativ angezogenes Mitglied des anderen Geschlechts, das die Straße
entlang schlendert, bewirken. Die Wirkung derartiger Dinge hängt ganz klar
davon ab, wie wir darauf reagieren. Wir können versuchen unsere äußere
Umgebung so zu kontrollieren, dass wir weniger der Versuchung unterliegen
und damit mögen wir auch zeitweise Erfolg haben. Doch am Ende muss die
Transformation eine inwendige sein. Sobald wir einmal begonnen haben, uns
im Inneren zu verändern, werden wir viel weniger Sklave äußerer erotischer
Stimulationen sein. Tatsächlich können derartige Stimulationen mit
tantrischen Techniken auch zu einem höheren Zweck eingesetzt werden, wie
dies bereits in vorhergehenden Lektionen erörtert worden ist.
Man handelt nur weise, wenn man sich die tägliche tiefe Meditation und
andere sitzende Übungen als Vorraussetzung für den Gebrauch tantrischer
Methoden zur Gewohnheit macht. Dann kann sogar aus unserer Besessenheit
Yoga werden, wenn sie von äußeren Objekten auf die ekstatische
Glückseligkeit des Göttlichen in uns übertragen wird. Der einzige
Unterschied zwischen einem Sexsüchtigen und einem fortgeschrittenen Yogi
oder einer Yogini ist das Objekt, von dem sie besessen sind! Deshalb wurde
in diesen Lektionen so viel Gewicht auf das Verlangen, d.h. Bhakti,
gelegt. Dass wir immer einem hohen Ideal mit unserem Verlangen den Vorzug
geben, ist der Schlüssel. In den Zwölf Schritten wird darauf mit der
Formel „Wir fassen den Entschluss, unseren Willen und unser Leben der
Sorge Gottes, wie wir ihn verstehen, anzuvertrauen“ Bezug genommen. Mache
daraus eine Gewohnheit und sei gewillt, danach zu handeln. Dann werden
positive Veränderungen wie durch Magie auftreten.
Dasselbe, was für die Pornographie gilt, gilt auch für die Masturbation.
Sie kann sowohl unser Freund wie unser Feind sein. Das hängt nur von der
Richtung unseres Verlangens und wie wir mit der Energie umgehen ab. Dies
gilt vor allem für Männer und wurde detailliert bereits in den frühen
Tantra-Lektionen behandelt.
Im Yoga ist die Ejakulation in der Regel ein Feind. Doch sind wir in den
Lektionen diesbezüglich nicht fanatisch. Gelegentliche Ejakulation ist
kein ernstes Hindernis im Yoga – häufiges Ejakulieren jedoch schon. Dies
ist kein moralisches Urteil. Es ist nur eine Tatsache des
Prana/Energie-Managements. Die Neuro-Biologie höherer Bewusstseinsstadien
kann ihre vollkommenen Potentiale nicht ohne die Verfügbarkeit von
sexueller Vitalität im Körper erreichen. Leiten wir diese ständig bis zum
Exzess ab, wird das, was wir mit Yoga erreichen können, seine Grenzen
haben.
Ruft uns unser Verlangen/Bhakti zu höheren Zwecken, wird klar, welche
Richtung wir für unseren Fortschritt sanft favorisieren sollten. Beachte,
dass ich sagte „sanft unterstützen“ – nicht verdammen, fürchten, sich
selbst hassen, keine Kasteiung, etc. Wir lernen nur einige gute Methoden
und favorisieren sie systematisch. So erreicht man Erleuchtung, auf
welcher Ebene wir auch immer arbeiten – durch die sanfte Favorisierung
unseres Ideals in jedem Augenblick erkennen wir, dass wir ein wenig
abgeirrt sind. Entwickeln wir die Gewohnheit der sanften Favorisierung
unseres Ideals und der Übungen, kann alles erreicht werden. Dann weitet
sich die Gewohnheit der Favorisierung in alle Gebiete unseres Lebens aus.
FYÜ ist die Kunst der sanften Überredung angewandt mittels lange bewährter
Techniken, welche die menschliche spirituelle Transformation vorantreiben.
Hinsichtlich Homosexualität (obwohl dies nicht mein persönlicher
Lebensstil war) gehen die Prinzipien von Tantra ganz klar über derartige
Unterscheidungen hinaus. Z.B. haben Zölibatäre einen klar umrissenen Pfad
zur Erleuchtung, wie auch Homosexuelle. Keiner ist dem anderen unterlegen.
Die Prinzipien, denen beide unterliegen, sind dieselben und die Methoden
sind ähnlich. Gehst Du durch die Tantra-Lektionen durch, wirst Du
feststellen, dass dies der Fall ist. Brahmacharya ist der Schlüssel und
das heißt Erhaltung und Kultivierung der sexuellen Energie (siehe dazu
Lektion T9). Es gibt keinen Grund, warum Homosexuelle
innerhalb des Lebensstils, dem sie folgen, nicht die Straße zur
Erleuchtung reisen können. Ich bin mir sicher, dass dies im Laufe der
Jahrhunderte viele gemacht haben. Für sie sind die sitzenden Übungen,
diejenigen eingeschlossen, welche die Ausdehnung der sexuellen Funktionen
im Nervensystem nach oben kultivieren, genau die gleichen. Die
Rückhaltemethode (Lektion T4), Blockierung (Lektion
T5), die Zählmethode (T23) und andere Aspekte
des Tantra-Yoga können alle in homosexuellen Beziehungen angewandt werden.
Die Tantra-Lektionen wollen Prinzipien und Praktiken zur Verfügung
stellen, die erfolgreich in allen Lebensstilen angewandt werden können.
FYÜ unterstützt nicht nur irgendeinen besonderen Lebensstil. Es verdammt
auch keinen, der nicht willentlich andere schädigt.
Ich wünsche Dir allen Erfolg auf dem von Dir gewählten spirituellen Pfad.
Erfreue Dich daran!
Der Guru ist in Dir.
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