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Lektion 4 – Die Rückhalte-Methode
– Eine Himmelsleiter
Autor: Yogani
1. Februar 2004
Für neue Mitglieder: Es wird empfohlen, am
Anfang des Archivs oder bei der Erklärung der Meditationstechnik zu
beginnen, da die Kenntnis vorheriger Lektionen Voraussetzung für das
Verständnis dieser Lektion ist. Die erste Lektion ist die
Lektion 10 „Warum diese Erörterung?". Die Meditationstechnik wird in
Lektion 13 "Meditation - Wecken der ruhenden Saat"
eingeführt.
Wie sieht der perfekte Geschlechtsverkehr aus? Gibt
es so etwas überhaupt? Das ist vergleichbar mit der Frage: „Was ist
Erleuchtung?“ Vielleicht sind sie auch dasselbe. Was immer sie am Ende
sein mögen, wir müssen dort anfangen, wo wir uns gerade befinden. Es gibt
einen Prozess, auf den wir uns einlassen können, eine Reise. Glauben wir,
dass es da noch mehr gibt, können wir dort beginnen, wo wir uns gerade
befinden und uns vorwärts bewegen. Ein anhaltendes Verlangen ist aber
Voraussetzung für die Vollendung der Reise.
Eine sexuelle Beziehung hat so viele Facetten. Verträglichkeit ist sehr
wichtig. Kommen wir miteinander aus? Sind wir zusammen „gut im Bett“? Es
gibt viele Schattierungen persönlicher Vorlieben und Stile, die wir
versuchen mit unserer Zuneigung in Einklang zu bringen. Bin ich attraktiv?
Ist er/sie attraktiv? Ist das Flirten richtig? Ist das Vorspiel gut? Ist
der Platz für den sexuellen Verkehr geeignet – das Schlafzimmer, der
Keller, der Küchentisch?
In diesen Lektionen werden wir uns mit solchen Dingen nur wenig
beschäftigen. Sie sind sicher wichtig. Doch worauf wir uns hier
konzentrieren wollen, ist der Geschlechtsakt selbst – vor allem, welche
Auswirkung die sexuelle Stimulation auf das Prana (sexuelle Energie) hat
und was wir tun können, damit wir diese Stimulation zu einem Teil unserer
Yoga-Übungen machen. Offensichtlich wird vieles davon klarer, wenn wir die
Frage: „Was will ich vom Sex?“ beantworten. Lautet die Antwort: „Mehr als
genitalen Orgasmus“, dann sind wir reif für das Experimentieren mit
tantrischen Sexual-Methoden.
Die Methoden sind ziemlich einfach. Es geht bei ihnen darum, wie man die
sexuelle Erregung und den Orgasmus steuert. Und es geht um das Verlegen
des männlichen Rohrs. Etwas sehr Alltägliches, wenn du darüber nachdenkst.
Aber wir bringen so viel Gepäck mit uns ins Bett, du weißt – unsere
Sexbesessenheit. Und das kann es etwas kompliziert machen. Aber es muss
nicht kompliziert sein.
Wir haben Zwangsvorstellungen, starke emotionale Bindungen in Bezug auf
Sex. Erinnern wir uns daran, dass wir zu einem höheren Zweck zum Bett
kommen, wenn wir Sex haben und lasst uns Bhakti zur Lenkung unserer
sexuelle Besessenheit in Richtung dieses Zwecks nutzen. Ein bisschen
Bhakti kann uns ein ganz schönes Stück weiterbringen.
Ein wichtiger Teil dieses höheren Zwecks ist es, sich daran zu erinnern,
dass es beim tantrischen Sex um die Bedürfnisse unseres Partners geht.
Wenn sich das beide Partner zu Herzen nehmen, dann wird tantrischer Sex
wie jeder andere Sex oder jede Beziehung ein großer Erfolg sein. Es ist
wie ein buddhistischer Koan, ein unlösbares Rätsel. Wenn sich beide
Partner darum bemühen dem anderen zu dienen, wem wird dadurch geholfen?
Wenn man über die persönlichen Bedürfnisse hinausgekommnen ist, wessen
Bedürfnisse werden dann erfüllt?
Natürlich ist das 100%ige Dienen unseres Partners ein Ideal, ein Ziel, das
schrittweise über einen langen Zeitraum hinweg erfüllt werden muss. Lass
deine Aufmerksamkeit von Zeit zu Zeit locker dorthin wandern, wenn du mit
sexueller Liebe beschäftigt bist. Das wird etwas bewirken. Wenn Du mit
ernsten Absichten zum tantrischen Sex kommst, hattest du das vielleicht
schon im Hinterkopf – dass es darum geht, Deinen Partner zu ehren und ihn
mit göttlicher Ekstase zu erfüllen. Nimm das also als Bestätigung für das
auf, was Du bereits instinktiv weißt. Beim tantrischen Sex geht es um
Deinen Partner. Natürlich werden nicht immer beide Partner für den anderen
gleich viel Rücksicht aufbringen. Das ist in Ordnung. Wenn man gibt,
verlangt man keine Gegenleistung in gleicher Höhe. Körperliche Liebe ist
keine Geschäftsabwicklung. Bei der körperlichen Liebe wird „Liebe
gemacht“. Wir machen die Liebe, indem wir etwas geben, indem wir etwas für
jemand anders tun, anstatt nur für uns selbst etwas zu tun und wir
erwarten keine Gegenleistung dafür. Das ist es, worum es bei der Liebe
geht. Es geht nicht notwendigerweise um eine Verpflichtung für die gesamte
Lebenszeit. Es geht nicht um die Zukunft oder die Vergangenheit. Es geht
nur um das Dienen im jetzigen Augenblick.
Manchmal bedeutet das Liebe-Machen auch „Nein“ zu sagen. Lieben heißt
nicht, dass man sich für jeden Wunsch, den unser Partner haben mag,
überschlägt, besonders, wenn es sich um einen destruktiven Wunsch handelt.
Unter diesen Umständen „Nein“ zu sagen, heißt auch zu lieben. Liebe ist
kein Schwächling. Liebe ist weise. Liebe ist stark. Liebe strahlt Frieden
und Licht zu allen Menschen aus. Das ist ein wichtiger Bestandteil, von
dem, was wir im tantrischen Sex kultivieren wollen und es wird sich ganz
natürlich mit unseren Fortschritten einstellen.
Das sind also die Grundbausteine:
• Das Verständnis, dass es beim tantrischen Sex um die Kultivierung der
sexuellen Energie in unserem Nervensystem nach oben geht,
• dass fortgeschrittene Yoga-Techniken für die notwendige Reinigung in
unserem Nervensystem sorgen,
• dass wir nach mehr als genitalem Orgasmus aus sind und dass wir für
unseren Partner da sind.
Dann wollen wir jetzt über die Rückhalte-Methode sprechen.
In diesen Lektionen bezeichnen wir das männliche Geschlechtsorgan mit
„Lingam“ und das weibliche mit „Yoni“. Das sind die traditionellen im
Tantra für das männliche und weibliche Zeugungsorgan verwandten
Sanskritausdrücke und sie haben Bezug auf das ganze Spektrum der
ekstatischen Vereinigung – von der physischen bis zur höchsten
spirituellen.
Die Rückhaltemethode kann am einfachsten durchgeführt werden, wenn der
Mann sich oben und die Frau sich unten befindet. Sie gelingt auch in
anderen Positionen, sobald die Partner mit den Prinzipien vertraut
geworden sind. Am schwierigsten zu meistern ist sie allerdings, wenn die
Frau oben ist, wie noch ersichtlich werden wird.
Haben ein Mann und eine Frau Geschlechtsverkehr, beinhaltet die
Rückhaltemethode genau das, was die Worte ausdrücken: ein sich
Zurückhalten. Der Mann ist dafür verantwortlich. Er macht es vor seinem
Orgasmus und am besten nicht zu kurz vor seinem Orgasmus. Die Idee dabei
ist nicht, an den Rand es Orgasmus zu kommen und dann zurückzuhalten. Das
kann dann schon zu spät sein und der Mann ist dann bis zum nächsten Mal
außer Betrieb gesetzt. Zweifellos wird sich das so manchmal ereignen. Aber
das ist in Ordnung. Wir werden in den nächsten Lektionen eine andere
Methode diskutieren, damit dies vermieden werden kann. Vorerst wollen wir
mit der Rückhaltemethode weitermachen.
Geschlechtsverkehr ist stimulierendes Stoßen, oder? Das ist die natürliche
Art des Ablaufs bis der Mann einen Orgasmus hat. Vielleicht hat die Frau
zuerst einen Orgasmus, vielleicht nicht. Aber wenn der Mann einen Orgasmus
hat, ist es vorbei, zumindest für eine Weile. Er kommt vielleicht bald in
einen Zustand der halben Erholung zurück, versucht dann seine Liebhaberin
zu befriedigen und verliert dabei vielleicht noch mehr Samen. Sie findet
möglicherweise ein bisschen Befriedigung. Doch er hat einen hohen Preis
gezahlt – pranisch gesprochen. Wenn das eine lange Zeit täglich so
weitergeht, werden die Fortschritte des Mannes in seiner Yoga-Praxis
darunter leiden. Auch dem Fortschritt der Frau im Yoga wird dadurch nicht
viel Dienst erwiesen. Kommt das nur einmal die Woche, oder noch weniger
häufig vor, ist das keine so große Angelegenheit. Aber auch diejenigen,
die nur gelegentlichen Sex haben, können einen Fortschritt im Yoga
erfahren, wenn sie die Methoden des tantrischen Sex kennen lernen.
Die Meisterung der Rückhaltemethode ändert die Dynamik dieses alt
hergekommenen Sexstils und führt eine neue Dynamik mit vielen Vorteilen
ein.
Bei der Rückhalte-Methode tritt der Lingam für eine Anzahl von Stößen in
die Yoni ein und zieht sich dann zum Verweilen im Bereich der Yoni-Öffnung
zurück. Die Anzahl der Stöße hängt vom jeweilig Ausführenden ab, aber es
wird empfohlen, dass das Ende weit vor dem Orgasmus liegt. Unter der
Voraussetzung, dass das ein langer Geschlechtsverkehr werden soll, ist zu
Beginn ein früheres Zurückhalten besser als ein späteres, weil anfangs das
Stehvermögen bei den meisten Männern noch sehr gering ist. Befindet sich
der Lingam in der Rückhalteposition, ist einiges im Gange. Erstens wird
das Stehvermögen des Mannes, vor dem Orgasmus zu bleiben, gestärkt und das
Stehvermögen wird zu einer höheren Ebene aufgeladen, als es vor dem
vorherigen Eintritt in die Yoni der Fall war. Zweitens ist die Frau in
einer Erwartungshaltung und das ist für sie sexuell erregend. Sie weiß
nicht, wann der Lingam in sie zurückkommt und dieses Vorgefühl wird ihre
Erregung erhöhen. Zur Erhöhung der Erwartungshaltung und Erregung der Frau
kann sie der Mann mit der Spitze seines Lingams ein bisschen necken, ohne
seinen eigenen Orgasmus zu riskieren. Er kann in die Yoni gerade ein
bisschen eindringen und dann wieder zurückziehen. Oder er kann auch
die Yoni überhaupt nicht mit seinem Lingam berühren und dann ganz
unvermittelt, wenn sie es am wenigsten erwartet … Gut, benutze Deine
eigene Phantasie. Ein versierter Tantriker, wird niemals zweimal
hintereinander dasselbe Stoßmuster und Halten-in-Wartestellung anwenden.
Es gibt eine Vielzahl von Wegen, das Spiel zu spielen.
Ich werde dir nicht sagen, wie du dieses Spiel spielen sollst. Wir sind
auf die Prinzipien der Praktiken aus, die sich der natürlichen Fähigkeit
unseres Nervensystems bedienen und das Niveau ekstatischer Energie
im Körper immer weiter anheben.
Das Wichtigste bei der Anwendung der Rückhaltemethode beim Mann ist,
den Lingam rechtzeitig herauszuziehen und sich genügend Zeit
zu lassen, damit er sich wieder auflädt und sein Stehvermögen erhöht. Am
Anfang bedeutet das, sich eine Zeit lang außerhalb der Yoni zu entspannen
und nicht zu schnell wieder zurückzueilen, sobald der Lingam für ein paar
Sekunden draußen war. Zu Beginn dreht sich beim Mann alles um die
Entwicklung von Stehvermögen und das erreicht er dadurch, dass er in der
Yoni prä-orgasmisch stößt und wieder und immer wieder vor der Yoni
pausiert. Diese Vorgehensweise kann das Spielgeschehen der sexuellen
Beziehung zwischen dem Mann und der Frau sofort ausgleichen.
Jeder weiß, dass die Frau dem Mann beim Geschlechtsverkehr überlegen ist
und in anderen Dingen auch. Die Natur hat sie so geschaffen, dass sie in
sexuellen Beziehungen biologisch überlegen ist. Das Überleben der
menschlichen Rasse hängt davon ab. Sie wird den Samen haben, was auch
immer sein mag. Sie muss sich nicht einmal darum bemühen. Ihre Schönheit
ruft den Samen von dem Mann in Sichtweite. Ihre Kurven, ihre Lippen, ihre
Augen, alles fordert den Samen heraus.
Vor hunderten von Jahren hat der große Erneuerer des Yoga in Indien,
Shankara, gesagt: „Sogar der größte Yogi kann nicht in die Augen einer
schönen Frau blicken, ohne dass sein Samen zu hüpfen beginnt.“
Mit der Beherrschung der Rückhalte-Methode können wir sowohl zum Vorteil
des Mannes als auch zu dem der Frau die sexuelle Beziehung ausgleichen.
Mit der Zeit wird das Stehvermögen des Mannes sehr groß und das schon zu
Beginn eines sexuellen Stelldicheins. In seiner sexuellen Biologie
zeichnet sich als Ergebnis der Anwendung der Rückhalte-Methode
schrittweise eine Veränderung ab. Das bringt beiden Partnern beim Sexualakt Freiheit
und löst die Herausforderung der Sexualität, auf die Shankara hingewiesen
hat, auf.
Machen wir mit der Rückhalte-Methode Fortschritte, entdecken wir, dass wir
in unseren sexuellen Beziehungen einen neuen Pfad beschreiten. Das
beinhaltet längeren Sex – eine Gnade für beide, den Mann und die Frau. Aber
mit der Rückhalte-Methode bekommen wir viel mehr als zeitliche Länge. Wir
gewinnen an Höhe und das ist der bedeutendste Lohn.
Was meinen wir mit Höhe? Wenn der Mann durch Zyklen von abwechselndem
Stoßen und Rückhalten geht, klettert er eine Treppe zunehmender Ekstase
hoch. Natürlich ist auch die Frau in diesem Prozess nicht träge. Sie ist
auf jedem Abschnitt des Weges aktiv – sie schmeichelt ihrem Mann, wenn er
in ihr ist und wird jedes Mal, wenn er vor ihrem Eingang verweilt, durch
Erwartung mehr erregt. Zuerst kommt die Stimulation und dann eine Pause, mehr
Stimulation und wieder eine Pause und so weiter. Mit jedem Zyklus steigert
sich die Wonne. Die Essenzen von Liebe, d.h. sexueller Energie, steigen
hoch und durchdringen beim Liebesakt die Körper der beiden. Zusammen
erklimmen sie die Leiter der Ekstase, die aus den wiederholten Zyklen von
Stimulation und Pausieren entsteht. Das ist eine Himmelsleiter.
Die Rückhalte-Methode wird auch die Methode des „Tal-Orgasmus“ genannt. Die
Partner klettern eine Bergwand der Stimulation dem genitalen Orgasmus
entgegen hoch. Dann, kurz bevor sie dort ankommen pausieren sie und
tauchen langsam in ein Tal des Vergnügens, dessen Niveau höher liegt als
ihr Anfangsniveau. Dann tauchen sie auf und bewegen sich wieder mit
Stimulation in Richtung genitalen Orgasmus, halten an, bevor sie dort
ankommen, tauchen wieder unter in ein Tal von Wonne, das wiederum höher
liegt als das vorherige. Das tun sie dann wieder und wieder und immer wieder.
Die Berge und Täler liegen immer höher und höher. Am Ende sind die
Liebenden durchdrungen von sexuellen Essenzen und befinden sich in einem
Glückseligkeitszustand, der dem der tiefen Meditation ähnelt.
So werden eine Liebesbeziehungen in Yoga-Praxis verwandelt.
Dies ist ein Überblick über die Rückhalte-Methode. Das ist keine Übung,
die Du eine bestimmte Anzahl von Minuten zweimal am Tag machen sollst. Es
ist etwas, was Du in Deinem normalen Sexualleben, wie immer das aussehen
mag, anwendest. Vielleicht hast du gar nicht so viel Interesse an Sex.
Dann brauchst du auch nichts von dem hier. Es ist für diejenigen gedacht,
die es wirklich brauchen und soll keine Werbung für mehr Sex sein. Was wir
unterstützen wollen, ist die Anwendung von mehr fortgeschrittenen
Yoga-Übungen. Tantrischer Sex ist nur ein Aspekt einer wachsenden Anzahl
von Hilfsmitteln, die uns zur Verfügung stehen, um damit
unser Nervensystem zu höheren Erfahrungen des Göttlichen in uns öffnen und
reinigen zu können.
Im Folgenden werden wir zunächst darüber sprechen, wie man den männlichen
Orgasmus besser in den Griff bekommt. Es ist eher unwahrscheinlich, dass
für den Mann die Kenntnis der Rückhalte-Methode alleine ausreicht, den
Orgasmus von Anfang an hinauszuzögern, auch wenn sein Verlangen danach
groß ist. Es ist keine einfache Sache, darüber Herrschaft zu erlangen.
Ein wenig spezielles Training unter eigener Regie ist dazu noch nötig.
Mehr Hilfe ist deshalb schon unterwegs.
Der Guru ist in Dir.
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