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Sind wir einmal auf dem Yoga-Weg in Fahrt gekommen, dann ist es nicht mehr schwierig, die Krone zu öffnen. Der Trick dabei ist, sie so zu öffnen, dass dadurch eine reibungslose und progressive Reise auf dem Yoga-Pfad möglich ist. Öffnen wir die Krone zu früh, bevor im Nervensystem noch eine hinreichende Reinigung stattgefunden hat, kann uns dies mit Kundalini-Exzessen eine Menge Schwierigkeiten bescheren, wenn sich alles in uns anstrengen muss, mit dem riesigen Energiesog nach oben durch die Krone mitzuhalten. Es ist also sehr wichtig, sich mit der Dynamik der Krone und deren Beziehung mit der im restlichen Körper ablaufenden Reinigung etwas auszukennen und die Übungen so in Dienst zu nehmen, dass das gesamte Nervensystem gereinigt und gleichzeitig die Krone geöffnet wird. Dies ist nicht so schwierig, wie es klingt, wenn einmal ein gutes Zusammenspiel verschiedener Übungen sinnvoll angewandt wird. Es ist sogar so, dass Du das schon eine ganze Weile tust, wenn Du die fortgeschrittenen Yoga-Übungen, so wie sie in den Lektionen beschrieben sind, nutzt. Dies ist der beste Weg für die Kronen-Öffnung: indirekt – erst viel später im Spiel konzentriert man sich direkt darauf.

Die Krone ist auch als „Sahasrara“ bekannt – der tausendblättrige Lotus am Scheitel des Kopfes. Physisch korrespondiert dies mit der Korona Radiata, einer Menge Nerven nahe dem Scheitel des Kopfes über den beiden Hauptventrikeln des Gehirns. Ist diese inaktiv, ruht die Energie dort in Form einer „Schädelkappe“ und wir spüren davon nichts. Wird sie durch die Aufmerksamkeit stimuliert, dreht sich die Schädelkappe um und formt eine Schale oder in Form einer Blume den tausend-blättrigen Lotus. Liegt sie so nach oben gekehrt, sagt man, sie sei erweckt oder geöffnet. Wir können das nicht übersehen, denn wenn die Krone in vollem Schwung ist, zieht sie uns wie ein spiritueller Staubsauger nach oben und innen. Dieses Nach-oben-Ziehen können wir tief in unseren Lenden spüren. Die Kundalini kann der Versuchung einer geöffneten Krone nicht widerstehen und taumelt zu ihr nach oben. Das Problem ist nun Folgendes: Wenn unser Nervensystem zwischen der Wurzel und Krone nicht genügend gereinigt ist, wird die Kundalini beginnen, durch alles zu preschen, um zur Krone zu gelangen. Genau das bringt die so genannten exzessiven Kundalini-Symptome hervor, die auch ein Pendant von emotionellen Schwierigkeiten einschließen können.

Verschiedene Traditionen ermutigen dazu, früh auf der Yoga-Reise mit Übungen an der Krone zu beginnen. Einige wenige gehen sogar zuallererst dahin. Die Ergebnisse sind vorhersehbar: Menschen bekommen Kundalini-Probleme und es gibt ziemlich viele Leute, die zu diesen Lektionen hier herkommen und nach Linderung suchen. Andere erleben das, was eine „spontane Erweckung“ von Kundalini genannt wird. Obwohl ich es nicht beweisen kann, glaube ich, dass spontane Erweckungen auch das Produkt von Yoga-Übungen sind, die verfrüht zur Krone gegangen sind, jedoch in einem früheren Leben und nicht in diesem. Solche Menschen werden aufgrund dieser lang vergessenen Praktiken und Ungleichgewichte, die tief im Nervensystem eingespeichert sind, in dieses Leben mit einer „Verdrahtung“ für die spontane Erweckung hineingeboren. Vorzeitige Kronenerweckung ist die häufigste Ursache für exzessive Kundalini-Symptome – möglicherweise ist sie sogar der einzige Grund.

Glücklicherweise sind gute Übungen zur Kronenerweckung in Verbindung mit der Reinigung des übrigen Nervensystems auch eine Hilfe für das Ausglätten von Energieungleichgewichten, die aus der Vergangenheit noch übrig sind. Hier gibt es also gute Nachrichten für uns alle, sowohl für diejenigen, die mit ihrer Energie eine Stabilität aufgebaut haben und die Reise zu Ende führen wollen, wie auch für jene, die aufgrund von Kundalini-Schwierigkeiten vom Wagen gepurzelt sind, und die Situation wieder heilen und zur Beendigung der Reise weitergehen wollen.

Unterhalten wir uns einmal über die Dynamik der Krone in Beziehung zum Rest des Nervensystems. In Lektion 188 zum Mantra-Design wurde erwähnt, dass die Sushumna in der Mitte des Kopfes eine Gabelung aufweist. Ein Strang geht nach vorne zum Punkt zwischen den Augenbrauen und der andere geht in das Kronenzentrum. In der Wirbelsäulenatmung nehmen wir mit unserer Aufmerksamkeit den Strang nach vorn und durchlaufen den Wirbelsäulennerv wiederholt mit unserem Atem, der zwischen der Wurzel und dem Punkt zwischen den Augenbrauen hin und herläuft. Dabei kultivieren und reinigen wir den Wirbelsäulennerv entlang dieser Route. Das Ergebnis ist eine Ausstrahlung von reinigender Lebenskraft (Prana), die vom Wirbelsäulennerv in alle Richtungen in das Nervensystem hinausgeht.

Diese Energieausstrahlung aus dem Wirbelsäulennerv geht an der Gabelung auch den anderen Strang zur Krone hoch. Daran denken wir aber gar nicht. Wir schenken der Krone keine Aufmerksamkeit. Trotzdem reinigt die Wirbelsäulenatmung zwischen der Stirn und der Wurzel auf diese Weise die Krone – genauso wie sie das übrige Nervensystem reinigt.

Ein ähnlicher Effekt ereignet sich auch bei der tiefen Meditation. Mit dem I AM [AYÄM] Mantra wird die Krone ganz natürlich mit innerer Stille durchdrungen und allmählich zusammen mit dem Rest des Nervensystems gereinigt. Mit den Mantra-Erweiterungen weiten wir das Mantra schrittweise auf Wegen aus, die verschiedenen Funktionen dienen. Eine dieser Funktionen ist, den reinigenden Einfluss auf die Krone zu vermehren, ohne die Aufmerksamkeit direkt auf die Krone lenken zu müssen. Dies wird durch die Resonanz der Mantra-Schwingung tief in unserem Inneren erreicht. Samyama verstärkt die Einwirkung der inneren Stille im Nervensystem noch weiter, indem sie die stille Bewusstheit aus dem Inneren in verschiedene Richtungen durch das Nervensystem bewegt, und die Krone erhält ihren gerechten Anteil dieser sich bewegenden Siddhi-Stille.

Im Laufe der Zeit fügen wir noch viele weitere Übungen hinzu, die ebenfalls zur Reinigung des Wirbelsäulennervs stimulieren: Mudras, Bandhas, Siddhasana, Yoni Mudra, Kechari, Kinnpumpe, Wirbelsäulen-Bastrika und so weiter. All diese Übungen öffnen die Krone durch indirekte Einflüsse. Durch die Erweckung des Wirbelsäulennervs zwischen dem dritten Auge und der Wurzel erwecken wir automatisch auch die Krone.

Ein Meilenstein auf unserer Reise ist die Erweckung von ekstatischer Leitfähigkeit. Dies ist eine sanfte, stufenweise und ekstatische Erweckung der Kundalini. Sie ist leicht erkennbar an der direkten Verbindung, die zwischen Sambhavi und den angenehmen an der Wurzel stimulierten Empfindungen geknüpft wird. Von dort schreitet die ekstatische Leitfähigkeit mit unserer täglichen Praxis stufenweise voran. Sobald ekstatische Leitfähigkeit einmal auftritt, sind wir in der Lage, selbst zu beobachten, welche Beziehung zwischen der allmählich sich öffnenden Krone und dem Rest unseres Nervensystems besteht. Richten wir unsere Aufmerksamkeit hinauf zu den sich aufrichtenden Kelchblättern am Scheitel unseres Kopfes, fühlen wir, wie es uns ekstatisch im Inneren von der Wurzel den ganzen Weg entlang nach oben zieht. Mache daraus keine ausgedehnte Übung, denn auch wenn die ekstatische Leitfähigkeit erweckt ist, ist es möglich zu übertreiben und exzessive Energieflüsse mit nachfolgendem emotionalem Reinfall zu erleben. Mit anderen Worten: Mit der ekstatischen Leitfähigkeit hat man keine Lizenz, geradewegs zur Krone zu gehen. Doch können wir ab und zu ein wenig experimentieren und das Gefühl dafür bekommen, was Hand und Fuß hat und was nicht. Gewöhnlicherweise wird aber auch jede leichte übermäßige Beanspruchung der Krone, die man so zu spüren bekommt, nur für ein paar Stunden oder Tage anhalten, bevor sich die Energie wieder ausgleicht.

Wir können die Krone auf diese Weise kurzzeitig mit unserer Aufmerksamkeit berühren, wenn ekstatische Leitfähigkeit erweckt ist, weil wir ebenso das dritte Auge erweckt haben. Die Erweckung der Sushumna zwischen dem dritten Auge und der Wurzel gibt uns eine Stabilität, die wir vorher nicht besaßen, und einen natürlichen inneren Energieausgleich, der jederzeit einfach durch das Gehenlassen in die Leitfähigkeit zwischen dem dritten Auge und der Wurzel angeregt werden kann. Dies ist die Kraft der Erweckung des dritten Auges. Es gibt nur wenig, das dieses Gleichgewicht stören kann, sobald sich die ekstatische Leitfähigkeit einmal im Wirbelsäulennerv vom dritten Auge zur Wurzel rührt. Das ist der Grund dafür, dass das dritte Auge (Ajna) „Befehl, Kontrolle“ bedeutet. Wächst die ekstatische Leitfähigkeit in der Sushumna zwischen dem dritten Auge und der Wurzel an, führen wir das Kommando im Kundalini-Prozess und haben damit auch eine gute ekstatische Zeit.

Wie erwähnt, bedeutet dies nicht, dass wir alle in die Krone hinaufgehen können. Auch ein kleines Durcheinander, das wir an der Krone anrichten, ist kein Vergnügen. Warum sollten wir das also tun? Einige haben gefragt: „Warum kann ich meine Wirbelsäulenatmung vom dritten Auge zur Wurzel nicht einfach von der Krone zur Wurzel führen?“ Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens beschneidet dies die fortschreitende Aktivierung der Erweckung vom dritten Auge zur Wurzel. Zweitens verschiebt es den Aufmerksamkeitsschwerpunkt zur Krone, wodurch die Instabilität im Energiefluss größer wird. Verschiebe den Verlauf Deiner Wirbelsäulenatmung also nicht zur Krone. Auch fortgeschrittene Yoginis und Yogis erreichen damit keine Stabilität. Mach einfach mit der Wirbelsäulenatmung vom dritten Auge zur Wurzel, tiefer Meditation und dem Rest, der zur Verfügung gestellt worden ist, weiter und all die Öffnungen werden auch zukünftig schnell und geschmeidig voranschreiten und dabei auch die Krone mit einbeziehen.

Durch gelegentliches „Testen“ mit Setzen der Aufmerksamkeit auf die Krone werden diese Tests mit der Zeit stabiler. Das gelegentliche kurze Legen des Bewusstseins auf die Krone wird nicht die Ursache für diese Stabilität sein. Das prüft nur, um zu sehen, wie weit die Reinigung der Krone im Einklang mit der Reinigung des restlichen Nervensystems vorangekommen ist. Jede Stabilität, die kommt, hat ihre Ursache in unseren integrierten fortgeschrittenen Yoga Übungen. Sobald sich etwas Stabilität einstellt, sind wir in der Lage, unsere Aufmerksamkeit für ein paar Minuten auf die Krone zu richten, ohne dass wir danach in Energie-Schwierigkeiten stürzen oder emotional abkippen. Dann und nur dann haben wir die sichere Option, am Ende unserer Praxis vor der Ruhephase unsere Aufmerksamkeit eine Zeit lang auf der Krone ruhen zu lassen. Wenn wir wollen, können wir uns zurücklehnen oder uns hinlegen und Sambhavi nutzen, während wir unsere Aufmerksamkeit in die prachtvoll erhabene Kronenblüte, in die der Stiel der durch das Zentrum heraufkommenden strahlenden Sushumna ragt, eintreten lassen. Sambhavi fügt dem noch eine Schicht ekstatischer Glückseligkeit und auch Stabilität hinzu, weil es das dritte Auge gleichzeitig aktiviert, während die Krone durch die Aufmerksamkeit stimuliert wird. Vielleicht sehen wir die Krone als Blume, vielleicht als Kelch, vielleicht rot, vielleicht silbern oder weiß, vielleicht violett. Sie kommt in vielen Farben. Einige können sie auch als eine Kobra mit einer großen ausgeweiteten Haube hochgehen sehen. Was immer wir sehen, wir haben ein Gefühl, als würden wir hochgezogen und dies ist die Erfahrung, die alle machen. Wenn das Öffnen der Krone und das annähernd gereinigte Nervensystem ein Stadium der Reife erlangt, werden wir ohne das bei verfrühten Erweckungen so verbreitete Chaos und Tohuwabohu hochgezogen. Wir werden in reine ekstatische Glückseligkeit hochgezogen. Dann können wir uns dahinein ergeben…

Wir sind vielleicht fort gewesen und wissen nicht, wo wir waren. Oder vielleicht haben wir irgendeine himmlische Vision. Sobald wir zurückkommen, sind wir auf eine gewisse Weise neu, erleuchtet, strahlend wie niemals zuvor. Dies ist der Beginn der Erfahrung in der erweckten Krone.

Sobald unsere Besuche bei der Krone stabil werden, können wir dort eine aktivere Rolle übernehmen. Trotzdem behalten wir all unsere fortgeschrittenen Yoga-Übungen in gleicher Weise bei. Eines können wir jedoch noch hinzufügen. Das wurde in der letzten Lektion zum gezielten Bastrika erwähnt. Ist unser Nervensystem einmal genügend gereinigt, so dass es den Fluss der Energie, wie er von einer offenen und aktiven Krone angeregt wurde, befördern kann, dann können wir dort zusätzlich gezielt etwas tun. Eine der effizientesten Methoden dafür ist der Einsatz des zielgerichteten Bastrika zwischen der Krone und der Wurzel. Wir können dies mit der angehobenen Krone machen, wenn sie offen oder geschlossen ist. Das erstere ist intensiver. Wir können Sambhavi und andere Mudras und Bandhas anwenden, während wir das zielgerichtete Bastrika zwischen der Krone und der Wurzel ausführen. Eins machen wir jedoch nicht: Wir führen das nicht aus, ohne alle Voraussetzungen für das zielgerichtete Bastrika und auch das Testen und die allmähliche Entwicklung des oben beschriebenen Kronenbewusstseins entwickelt zu haben. Sind wir mit irgendetwas, das Aufmerksamkeit an der Krone mit einschließt, zu früh dran, werden wir dies innerhalb von ein paar Stunden wissen. Dies trifft besonders für das zielgerichtete Bastrika zu, wenn die Krone uneingeschränkt stimuliert wird. Unternimmt man also das zielgerichtete Bastrika an der Krone, sollte dies anfangs sehr sparsam sein – zu Beginn nicht mehr als eine Minute auf einmal. Wenn das Ergebnis stabil und in den Aktivitäten gut ist, kann es jeweils um eine Minute auf einmal ausgeweitet werden. Diese Übung hat den gleichen Platz in der Routine wie alle Arten des zielgerichteten Bastrika – am Ende der sitzenden Übungen, vor der Ruhephase. Mit dieser Übung bringen wir die Atmosphäre der Krone in unser tägliches Leben. Wie fühlt sich das an? „Wie der Himmel auf Erden“ ist ein Ausdruck, der einem da in den Sinn kommt.

Mache also mit den Übungen weiter und achte darauf, dass Du Dich selbst nicht mit irgendetwas zu weit hinter dir lässt. Tust Du das, wirst Du das früh genug erkennen, weil es unangenehm sein wird. In solch einem Fall steckt man sofort zurück, bis man eine stabile Übungsplattform erreicht. Manchmal kommen wir schneller voran, wenn wir etwas zurückgehen.

Es ist gut, bei der Aufrechterhaltung unserer Routine des zweimal täglichen Übens hartnäckig zu bleiben. Beim Übertreiben von Übungen ist es jedoch nicht so gut, hartnäckig zu sein. Dies gilt besonders für alles, was wir an der Krone tun.

Halte eine gleichmäßige Geschwindigkeit bei, die das Fahren angenehm macht, und Du wirst rechtzeitig an Deinem Bestimmungsort ankommen – nicht endende ekstatische Glückseligkeit und überwältigende göttliche Liebe!

Der Guru ist in Dir.