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Frage: Danke für die Meditationsanleitungen. Doch scheinen sie bei mir nicht wirklich zu greifen. Ich wiederhole das Mantra und es geschieht eigentlich nichts. Ständig schweife ich zu alltäglichen Gedanken ab und komme zurück, sobald ich das bemerke, wie du gesagt hast, immer wieder und wieder – zwanzig Minuten lang. Es ist ganz schön langweilig. Bin ich ganz einfach nicht geeignet dafür?

Antwort: Unsere Nervensysteme sind so verdrahtet, dass wir glückselige Stille erfahren können. Man kann sogar sagen, dass wir genau für diese Erfahrung geschaffen worden sind. Kein Mensch ist da eine Ausnahme! Allerdings gibt es in jedem Nervensystem Hindernisse, die herausgelöst und ausgewaschen werden müssen. Die in vielen Leben angesammelten Unreinheiten verhindern, dass unser natürlicher Zustand sich in dieser Welt manifestiert und verhindern auch, dass wir innerlich sehen. Die Übungen des Yoga dienen dazu, diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Yoga ist ein Reinigungsprozess. Durch die Reinigung wird die Vereinigung zwischen innerer und äußerer Natur herbeigeführt. Wir wissen, dass dieser Prozess während der Meditation auch abläuft, wenn wir das Mantra verlieren und wir uns kurz darauf, mit anderen Gedanken befasst, wieder finden. Während des Vorgangs der Meditation sind diese anderen Gedanken Symptome dafür, dass sich etwas gelöst hat. Bemerken wir das, gehen wir wieder zurück zu unserem Mantra und fahren wie gehabt fort. Es ist wichtig, locker mit dem Mantra umzugehen, sich nicht auf eine klare geistige Aussprache zu versteifen und auch nicht auf eine unklare, keine Abhängigkeit von irgendetwas, einfach ungezwungen dabei sein. Wenn wir diese Gewohnheit der Leichtigkeit entwickeln, wird sich der Verstand auf natürliche Weise in seine Stille niederlassen. Wir fördern somit einen natürlichen Prozess unseres Verstandes.

Bis jetzt waren all unsere bewussten Gedanken nach außen gerichtet. Sie sollten sich in unserm Verstand und in der Welt manifestieren. Das Mantra AYÄM (I AM) benutzen wir, um nach innen zu gehen und zu de-manifestieren; wir lassen uns von ihm zur Quelle unserer Gedanken führen, zur Quelle unseres Seins, zum reinen Bewusstsein, zu unbegrenzter Achtsamkeit. Aber das wird nicht immer in so wunderbaren Begriffen erfahren. Oft verliert man einfach das Mantra, genießt unerklärliche, freudige Momente ohne Mantra und ohne Gedanken, wird sich dann wieder Gedanken bewusst und kehrt zum Mantra zurück. Der Reinigungsprozess geht somit weiter. Das ist eine vollkommene Meditation. Das ist die Gewohnheit, die wir jeden Tag in unserer Meditation kultivieren wollen, denn sie führt uns zum Unendlichen. Erfahrungen werden da sein, wenn der Reinigungsprozess nur immer weiter fortschreitet. Doch Erfahrungen oder deren Abwesenheit sind kein Gradmesser für die Richtigkeit des Meditationsprozesses. Der Vorgang ist sehr eigentümlich und wir können an einem Tag eine innere Ausdehnung fühlen, an anderen nicht. Verstehst Du?

In gewisser Weise gleicht das einer Schatzsuche. Bei geschicktem Graben schaffen wir die Erde auf eine solche Art zur Seite, dass wir dorthin gelangen, wo die Schatztruhe auf uns wartet. Das Graben an sich hat keine Ähnlichkeit mit einer Truhe voller Gold. Nichts desto trotz ist es genau das Graben, was uns zum Gold führt. Doch das Schöne an der Meditation ist, dass wir während des Grabens immer wieder einen Blick auf das Gold erhaschen können und das dann auch während unserer geregelten täglichen Aktivitäten öfters geschieht, wenn wir nicht graben. Diese Erfahrungen mit dem Gold nehmen langsam zu, wenn wir täglich meditieren. Dann, eines Tages, erkennen wir, dass wir selbst dieses Gold sind. Lange haben wir uns darum bemüht und alles ist anders geworden. Vom ersten Tag an sehen wir die Welt in einem anderen Licht, denn durch den inneren Reinigungsprozess werden wir zu dem, was der Welt zugrunde liegt. Von Anfang an schon waren wir das. Durch Yoga reinigen wir die Fenster unseres Nervensystems und entwickeln eine klare Wahrnehmung, dass dies die Wahrheit ist. Das ist es, was wir sind. Das Geheimnis des Lebens wird enthüllt. Wir sind das, was hinter allem liegt. Wir sind unendliche Glückseligkeit.

Bleibe also dabei. Entfache jeden Tag aufs Neue das Feuer des Verlangens, die Wahrheit in dir zu erkennen. Das wird Dich am Ball halten. Unterwegs wirst Du aus deinem Inneren positives Feedback erhalten. Führe zweimal täglich diese Meditationsübung für zwanzig Minuten durch. In dem Grade, wie Deine Erfahrungen tiefer gehen, wirst Du nicht mehr aufhören wollen, Deine natürliche Begabung nach innen gehen zu können, weiter zu kultivieren, da es dein eigenes Selbst ist, das Du dabei freilegst. Und das wird dann zu einem Selbstläufer.

Mit der Zeit werden wir weitere fortgeschrittene Yoga-Übungen hinzufügen, welche die Kraft der Meditation außerordentlich steigern. Wenn ein kräftiger Gartenschlauch es nicht schafft, den ganzen Schmutz zu beseitigen, besteht immer noch die Möglichkeit, einen Hochdruckreiniger hinzuzuziehen.

Der Guru ist in Dir.

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