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Frage: Ich habe mit Mantren experimentiert und ich glaube fest daran, dass es etwas gibt, das über die Wissenschaft hinausgeht, etwas, das zwar in Wirklichkeit auch Teil der Wissenschaft ist, doch von den modernen westlichen Wissenschaftlern nicht berücksichtigt wird, weil es außerhalb deren Grenzen liegt. Töne sind Schwingung und bestimmte Töne und Schwingungen nehmen entsprechend unserem Willen Einfluss auf unsere Umgebung und Umwelt. Ich glaube, dass ich ein spiritueller Wissenschaftler bin (Rishi), weil ich die Kraft des Bewusstseins bis zum Äußersten nutzt.

Nun habe ich einige Fragen bezüglich Siddhis und Samyama. Es heißt, dass ein Yogi alles so fühlt, als würde er ‚zu dem werden’ oder ‚eins werden mit dem’, über das er meditiert. Ich habe jetzt über eine kleine Flamme zwischen meinen Augenbrauen meditiert und hatte eine sonderbare Empfindung, dass ich zu dem werde und dass ich zu existieren aufhöre wie die Flamme auch. Darf ich fragen, welche Auswirkungen das auf mich haben wird? Werde ich die Persönlichkeit der Flamme annehmen?

Dann noch: glaubst du, dass es möglich ist, auf die Materie-Energie so Einfluss zu nehmen, dass etwas nur durch den Willen in Nichts umgewandelt oder von einem Ort zu einem anderen bewegt wird? In Swami Rama’s Buch „Unter Meistern im Himalaja – Autobiographie“ sagte dieser, dass dies möglich sei und es ihm beigebracht wurde. Dann habe er jedoch seinem Guru versprochen, damit aufzuhören. Welche Übungen oder Meditationen muss man machen, um mit solchen Siddhis experimentieren zu können? Patanjali hat diese Art von Siddhis in seinen Sutren nicht erwähnt.

Ich erhoffe mir von dir etwas Anleitung.

Antwort: Danke, dass du schreibst und teilst.

Die Aufgabe der Wissenschaft ist es, neue Grenzen des Wissens aufzuzeigen und das zu vermitteln, was praktisch anwendbar ist. Das unendliche innere Reich der Menschheit ist die nächste große Grenze für die Wissenschaft – die Yoga-Wissenschaft!

Mit der ganzen Bandbreite von Yoga reicht man über das Verstandesdenken hinaus in das reine Glückseligkeitsbewusstsein. Der Verstand ist der kleine Schwanz am großen Hund der unendlichen göttlichen stillen Bewusstheit, dem Kern unseres Wesens. Du erlebst dies bereits in deinen Meditations-Erfahrungen. Beim Yoga geht es also nicht in erster Linie um die Vergrößerung der Verstandeskraft, um damit in der Welt Wunder vollbringen zu können, etc, obwohl dies ein Nebeneffekt ist. Es ist besser, sich nicht zu sehr mit den Nebeneffekten aufzuhalten – der Landschaft. Für mehr Informationen schaue bitte unter „Landschaft“ im thematischen Verzeichnis der alten FYÜ-Website nach.

Der Prozess, den du mit deiner auf die innere Flamme gerichteten Aufmerksamkeit erfahren hast, betrifft die letzten drei Glieder von Patanjalis achtgliedrigem Yoga – die Aufmerksamkeit fokussiert zunächst auf ein Objekt (dharana auf eine Flamme), weitet sich darüber hinaus aus (dhyana/Meditation) bis sie zu einer leeren Bewusstheit ohne irgendein Objekt wird (innere Stille/Samadhi). Wiederholt man diesen Prozess täglich und systematisch über längere Zeit hinweg, schließt man damit das Funktionieren des Nervensystems höheren Erfahrungen nicht endender ekstatischer Glückseligkeit und ausströmender göttlicher Liebe auf. Und ja, du wirst dadurch auch die Siddhis erhalten – alle, die dein erleuchtetes Leben benötigt, um deinem Selbst in Gestalt von jedem anderen zu dienen. So läuft das ab.

Jesus hat gesagt: „Suchet zuerst das Reich Gottes im Inneren und alles andere wird euch hinzugegeben.“ Das Wichtigste zuerst, oder?

Wenn du täglich auf eine Flamme anstatt über ein Mantra oder ein anderes Objekt meditierst, kann ich dir nicht sagen, was der genaue Pfad der Öffnung des Nervensystems sein wird. Von den FYÜ-Lektionen her weißt du, dass unterschiedliche Schwingungen das Nervensystem auf unterschiedlichen Wegen öffnen – einige auf angenehmere und progressivere Weise als andere. Am besten ist es, wir freunden uns mit einem geprüften Meditationsobjekt (wie einem Mantra) an und bleiben lange Zeit bei diesem. An nur einem Ort mit einer guten Schaufel tief zu graben ist gewöhnlicherweise die beste Methode auf Wasser zu stoßen, viel besser als viele kleine Gruben überall und mit einer Menge verschiedener Schaufeln zu graben.

Sobald du einmal die tägliche Meditation eingerichtet hast und etwas innere Stille aufkommt, kannst du systematisch die tägliche Samyama Übung gleich nach der Meditation hinzunehmen, wenn du das willst. In der Lektionsreihe ab Lektion 149 wird diese Übung behandelt. Diese Anwendung von Samyama zielt auf viel mehr als nur einige weltliche Kräfte ab – und zwar auf die Erleuchtung! Dies ist der Zweck der Samyama Übung und auch die Anwendung, zu der Patanjali rät. Dann hast du alles und bist ein Seher – ein Rishi.

Die von dir beschriebenen Erfahrungen sind sehr gut. Ich wünsche dir allen Erfolg auf dem von dir gewählten spirituellen Pfad. Es liegt alles in deiner Hand. Mache weise weiter und erfreue dich daran!

Der Guru ist in dir.